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LP Review: Wild Belle – Isles

Neue Bands haben es nun wirklich nicht leicht. Neue Indie Bands erst recht nicht. Heutzutage macht nämlich jede neue Band „Indie“. Da darf man sich so richtig austoben und seine verheulten Songtexte mit einfachen Melodien auf die Welt loslassen. Wenn man Glück hat, dann bekommt man kleine Hipsterfans, die einen bei Tumblr totbloggen und die Musik auf Facebook teilen, aber nicht kaufen. Es muss ja schließlich auf die neue Wollmütze vom bekannten Modelabel gespart werden. Nur dauert es nicht lange und man ist eine vergessene Band und der Hit von damals schon nach einigen Wochen Geschichte.

Debütalben müssen daher immer was besonderes sein, damit man auch bei der zweiten LP sagen kann: „Hey die kenn ich, die sind unfassbar gut!“

Das Geschwisterpaar Elliot und Natalie Bergman stammen aus Chicago und sind Kinder einer Musikerfamilie, was meistens dazu führt, dass man irgendwann selbst auf die Idee kommt, eine eigene Band zu gründen. Elliot, der ältere beider Geschwister, hat Pionierarbeit geleistet und seine Afrobeat Band „Nomo“ gegründet. Später kam seine damals 16-jährige Schwester hinzu und übernahm die Vocals. Sie verließen irgendwann „Nomo“, um ihr eigenes Projekt in Angriff zu nehmen: „Wild Belle“
Sie veröffentlichten ihren ersten Longplayer „Isles“ nun auf Columbia Records, welcher am 12. März 2013 in den Staaten erschien.

Die Afrobeat Einflüsse sind dabei spürbar, jedoch auch das Talent vom mulitinsturmentalen Elliot Bergman, welcher wohl  für den Sound bestimmend ist, der irgendwo zwischen psychodelischen Pop, Ska, Reggae, Funk, Rock und Jazz liegt. Dabei verbinden Wild Belle die Stile so gut, dass man nicht den Eindruck bekommen könnte, man habe irgendetwas zwanghaft zusammenwürfeln wollen, um einen eigenen speziellen Sound zu erschaffen. Neben dem Sound trägt auch Natalie Bergmans Stimme viel zur Atmosphäre des Albums bei. Am besten legt man die Scheibe nach einem Kater-Wochenende auf, sonntags, wenn die Stadt schläft und man sowieso in der Leere zwischen der Party  letzter Nacht und der nächsten Arbeitswoche festhängt. Man wird musikalisch kurz in den Urlaub verfrachtet, was ja allgemein die Stimmung hebt. Isles ist dabei kein „Hit-Album“, in dem üblichen Sinne; eher stimmt hier das Konzept von vorne bis hinten, was etliche Musiker bei Ihrem Debüt nicht schaffen. Hier ist also alles richtig gemacht worden.


Wild Belle – Keep You

Wer gerne über den Tellerrand hinausschaut, lieber Feinkost als Fastfood haben möchte, ist bei Wild Belle und dem Album sehr gut aufgehoben: da machen echte Musiker Musik und das ist heutzutage selten geworden.

Erste Single: „Keep You“
Anspieltipp: „Another Girl“
VÖ Deutschland: 22.03.2013

Tour Dates für Deutschland:

20.3.13 – Mojo Club – Hamburg
21.3.13 – Lido – Berlin
23.3.13 – Storm – München

Greetz Tomi

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