FRANKFURT, MUSIK

J. Cole – Born Sinner (Albumreview)

Wenn unser Frankfurter Bub J. Cole mit „Born Sinner“ ein neues Album rausbringt, hören wir natürlich genauer hin – das braucht schonmal seine Zeit :)

Zur Einstimmung schalten wir aber noch schnell bei seiner intimen Konversation bei Fat Jew rein, denn man merkt, dass die beiden eine gute Zeit zusammen hatten!

Das ist jetzt die perfekte Überleitung zum Album, nur Delling hätte es besser hinbekommen. Gleich das Erste, was man von J. Cole zu hören bekommt, ist „It’s way darker this time“ – aber absolut nicht zu vergleichen mit Yeezus-dark! Auf dem Album geht es auf eine – in der Deluxe-Version 21 Lieder lange – Reise aus der Dunkelheit, aus der er sich mit gewitzten Referenzen und Wortspielen herausgeschrieben hat, hin zu freudigeren Ufern. Wie ein roter Faden ziehen sich dabei auch Anspielungen getreu des „Sinner vs. Saint“-Mottos durch das gesamte Album hinweg.

Gleich vorweg: Es macht Spaß, das Album anzuhören, und wer ganz genau hin hört, wird ebenfalls an vielen Textstellen seine Freude haben! Jermaine – wie er mir gefällt.

Im mächtigen Intro-Track „Villuminati“ gibt sich auch Biggie mit seiner Passage „Born sinner, the opposite of a winner“ ein Stelldichein, während J. Cole darüber rappt, dass er ein Jahr, bevor er von Jay-Z gesignt wurde, noch „Fuck him“ sagte, als Hova seine selbst gebrannte Promo-CD nicht wollte. So schnell kann’s gehen. Im nächsten sehr smoothen Song „Land Of The Snakes“ nutzt Cole gekonnt die Schlange als Symbol der Verführung, die überall auf ihn lauert.

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Eine Verführung der süßen Art ist Thema der Single „Power Trip“, für die er sich Miguel aufs Album geholt hat: „Got me up all night, all I’m singing is love songs, she got me up all night, constant drinking and love songs“ – kennen wir alle!!! Den einzigartigen Sound dieses Liedes kennen wir mittlerweile auch, und hier seht ihr, wie er entstanden ist. „Love is a drug, like the strongest stuff ever“. Auf so viel Liebe folgt folgerichtig, um beim roten Faden mit dem Kontrastprogramm zu bleiben, „Mo Money“. Money. Money. Money.

Bei „Trouble“ wird es mystisch – und auch schonungslos ehrlich: „got dumb as shit hanging ‚round these rappers cause they dumb as shit“ – eine weitere Sünde, hat Jermaine doch einen sauberen College-Abschluss hingelegt, wohin er nun auch für einige Kurse zurück gehen will. Um weitere Versuchungen in Beziehungen mit Frauen geht es in „Runaway“ und „She Knows“: „Damned if I do, damned if I don’t“. Auch die schwierige Beziehung zwischen in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen Rappern und Geld, Konsum und Luxus greift er in „Rich N***as“ auf, und macht klar, dass in seinen Selbstversuchen gegen Depressionen auch das härteste Geldausgeben nichts bringt.

Nun ist der Punkt gekommen, und die Atmosphäre hellt bei „Forbidden Fruit“ – mit Kendrick Lamar in der Hook – auf, bevor er zu einem entspanntem Beat bei „Chaining Day“ verspricht, keine weiteren sinnlosen Chains anzuschaffen: „My guilt heavy as the piece I wear“. Wobei er das auch schon seiner Mutter und seinem Accountant beim letzten Mal gesagt hat: Sinner/Saint. „Ain’t that some shit, well paid for this rap and shit“. Ja, allerdings! Können wir nur unterstreichen. Trotzdem will Jermaine nichts an seinem Gesicht und seinem „Crooked Smile“ machen lassen, und teilt den Menschen auf dieser Welt mit, sie selbst zu sein, und dass nicht alles auf Äußerlichkeiten beruht. Genauso zum Rassenbild: „Wonder why we inhale, cause we in hell already“. Beat sehr eingängig und hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt.

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Besonders zu Herzen genommen hat sich Jermaine die häufige Kritik an seinem Debütalbum, die unter anderem auch von NaS geäußert wurde. „Let Nas Down“ ist wohl der in den letzten Tagen am meisten beachteste Song – nicht zuletzt dadurch, dass NaS mit einem Remix geantwortet hat. Wer jetzt aber Beef wettert, der wird leider enttäuscht werden („You Made Nas Proud“). Die Hintergründe schildert Cole in diesem Video – nämlich dass er sich schämte, seine Linie verloren zu haben und mit seinem Debütalbum sein Idol, das mittlerweile auch zum Fan wurde, enttäuscht hat. Über die Executives der Musikindustrie, die er beim ersten Album wohl zu sehr zufrieden stellen wollte: „They don’t know, they just study the charts – me, I study the shows, the fans, study their hearts“.

 

Der Track „Born Sinner“ enthält dann noch eine schöne von James Fauntleroy gesungene Hook „I’m a born sinner, but I die better than that, swear“. Gospelmäääääsisch!

Die folgenden Songs gibt’s nur auf der Deluxe Edition! Sozialkritik auf „Miss America“ („Heavy heart as I sit in this Range countin‘ thousands out, am I about dollars or about change?“) , dann mit „New York Times“ gemeinsam mit Fiddy eine Ode an New York City, dessen Energie J. Coles Entwicklung ermöglichte. Einen Song widmet er dann Groupies „Is She Gon Pop“ („the game is to get, a bunch of paper just to change your fucking neighbors and shit, I swear if n***as put half of what they put in chasing ass into a craft, by now you’d be famous and rich“), und „N***az Know“ ist fürs Ego, denn auch wenn die Sales nicht wie erwartet waren, hat Jermaine doch genug Geld: „Country ass n***a with an Audemars, can’t spell the shit but I order more“. Auch die deutsche Autobahn bekommt Props!! Zum Ende gibt er mit „Sparks Will Fly“ seinen Hörern noch auf den Weg, dass es in jeder Beziehung auch Ups und Downs gibt. Sicherlich auch in jeder Karriere.

Und meiner Meinung nach ist J. Cole mit diesem Album, mit dem er weniger die Radios als seine ursprünlichen Fans ansprechen will, gerade ganz weit oben!!! Daher: Fette Kaufempfehlung, denn viel besser ins Herz zu schließen als Yeezus und eindeutig das bessere und umfassendere Album des 18. Juni!

G. Cole

 

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