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KOLLEGAH – KING TOUR – AUFTAKT IN DER BATSCHKAPP (KONZERTREVIEW)

Am 09.09.14 startet Kollegah den Tourauftakt der „King Tour“ in der Batschkapp in Frankfurt. Die Tour ist fast vollständig ausverkauft und in Frankfurt sind aufgrund der großen Anfrage zwei Termine direkt hintereinander gebucht. Seit Herr Blumes stark kritisiertem schwachen Auftritt auf dem splash!Festival 2006 sind mittlerweile acht Jahre vergangen, und Felix konnte reichlich Liveerfahrung sammeln. Aus dem Fehler seines ersten Liveauftritts, unvorbereitet auf die Bühne zu gehen, hat er gelernt.

Die Show beginnt mit einem Intro-Video, abgespielt auf einer großen Leinwand im Hintergrund der Bühne. Der alleinige Weltmonarch bringt sein MMA-Können und geballte Waffengewalt beim Kampf gegen die Spezialeinheit der HipHop Polizei zum Einsatz, die ihm seinen Erfolg nicht gönnen und ihn entthronen wollen.

Doch ganz alleine ist der King nicht. Gerade als die Situation aussichtslos erscheint und Kollegah mit einer Waffe am Kopf dem Tod in die Augen sieht, kommt – BAAM – Majoe von der Ecke und bricht der Spezialeinheit das Genick. Gänsehaut. “Es ist Showtime bitch!”

Kolle, gebackt von Majoe, performt fast alle Songs vom neuen Album, einige ältere Tracks, den KC Rebell Song “Egoist feat. Kollegah & Majoe” und zusammen mit Majoe einige Songs aus dessen Album “BADT”. Die gut anderthalb Stunden langen Show ist nicht etwa eine lustlose Aneinanderreihung von Tracks, sondern regelrecht ein Theaterstück mit Soundtrack.

Wenn die Videoleinwand nicht die Musikvideos zu den gespielten Songs oder andere Hintergrundanimationen zeigt, wird sie benutzt, um mit kurzen Videoskits zum nächsten Song überzuleiten. Buttler Frederic wird aus der Villa des Bosses per “Lamborgini Kickdown” zur Show geordert, um dem Boss sein Wasser zu reichen. Darüber hinaus performen Kollegah, Majoe und Buttler Frederic kurze eingespielte Sketche:

Frederic tritt an den Boss heran und wird mit lautem Knall zurückgeschleudert – Bossaura.
Frederic tritt an den Boss heran und wird mit lautem Knall zurückgeschleudert – Königsaura.

Die für das Schauspiel obligatorischen Requisiten wie der 44er Bizeps, Zigarren, AK Replikate, Thron und Krone sind in die Show eingebaut. Bei passender Stimmung der gespielten Tracks schießen Feuer- und Trockeneisfontänen in Richtung Batschkapp-Decke. Es gibt in der Show einige Situationen, in der die Lachmuskeln strapaziert werden, und der Anblick von Kollegah im Tanktop mit goldener Krone ist definitiv einer, bei dem das Lächeln ganz groß wird, wobei für diese Stelle sicherlich kein Lacher eingeplant ist.

Gerade weil Kollegah nicht dafür bekannt ist, politisch korrekte oder überhaupt politische Texte zu schreiben, ist es erwähnenswert, dass es sich dafür entschieden hat den Song “NWO (New World Order)” mit in die Tracklist aufzunehmen, in dem er sich politisch klar positioniert. Gutmensch wie er ist, verkündet er, dass er ein Teil seiner Gage an “arme Kinder” spendet. Wie viel, oder an/über welche Organisation das geschieht, bleibt unerwähnt.

Bei der Performance von “Karate feat. Casper” passiert ebenfalls Unerwartetes. Featureparts von anderen Rappern auf Albumtracks werden in der Regel weggelassen, wenn der betreffende Künstler nicht zufällig anwesend ist. Kolle scheint der Casper-Part allerdings so gut zu gefallen, dass er seinen kompletten Part mitrappt. “Na, wenn du meinst, wenn du meinst – Erfolg ist mehr als eine Woche Eins.”

Zugabe und Finale der Show sind die Großraumdisco-Partiii(Kolle Voice)-Hits “Das hat mit Hip Hop nichts zu tun feat. Majoe”, “Von Salat schrumpft der Bizeps feat. Majoe & Die Götzfried Girls” und “Wat is denn los mit dir feat. Majoe”. Diese drei Songs sind die einzigen, bei denen von Publikum eigeninitiativ mehr als nur den “WackelHaft” bzw. “Schultertraining” (Def: rhythmische Auf- und Abbewegungen einzelner, bzw. beider oberen Extremitäten zum Takt der Musik, [S.S.I.O., Kanalreiniger, *1889]) macht und man von so etwas wie “ausgelassener Stimmung” sprechen kann. Angeleitetes “Runter in die Hocke und beim Einsetzen der Hook springen” gibt es zu “Flex, Sluts, Rockn Roll”.

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Die Frage, was eine gute Liveshow ausmacht, ist schwierig zu beantworten:

  • liegt es an der Musik an sich?
  • liegt es an der Qualität der Musik?
  • an der Motivation des Publikums?
  • am Bühnenbild?
  • an den Special Effects?
  • an der Ausstrahlung des Künstlers?
  • an der Textsicherheit des Künstlers?

Eine gute Liveshow generiert sich sicherlich aus einem Zusammenspiel aller Faktoren in unterschiedlich starker Gewichtung. Zwischen den zwei wichtigsten Faktoren “Motivation des Publikums” und “Ausstrahlung des Künstlers” entsteht eine “Huhn und Ei Frage”. Ist der Künstler dafür verantwortlich, wenn das Publikum nicht abgeht? Ist das Publikum dafür verantwortlich, wenn der Künstler nicht abgeht?

Koenichstheyn, bekannt durch Kollegahs Show “Bosshaft Latenight” motiviert das Publikum vor Beginn der Show dazu, Teil der Show zu werden: “Eine Show lebt auch von euch, rappt alles mit, gebt Gas (sinngemäß)”. Recht hat er!

Den Apell kann man umdrehen und an die Künstler richten. “Geb Gas!” Leider ist Kollegah auf der Bühne sehr steif. Es kann daran liegen, dass er mit seinem Terminatorkörper eingeschränkt bewegungsfähig ist, aber dadurch, dass er keinen vollen Körpereinsatz zeigt, verliert er an Bühnenpräsenz und die Show an Energie.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die gut anderthalbstündige Show von Intro bis Zugabe gut vorbereitet, choreographiert und durchgeplant ist. Mit mehr Elan seitens des Künstlers kann dann aus einer “nur” guten Show auch noch ein aufregendes Konzerterlebnis werden!

 

Yoscha

 

PS: Erinnert man sich an das Juice-Cover von 2008, auf dem Sido, Savas, Azad und Samy platziert waren, würden für ein heutiges Gipfeltreffen wahrscheinlich die Platin-Rapper Cro, Casper und Kollegah zusammenkommen. ALLE drei haben übrigens ihre frühen Erfahrungen in der RBA gesammelt.

 

PPS: Kollegahs kürzlichen Erfolge sind uns allen noch sehr präsent in Erinnerung. Mit seinem aktuellen Album “King” bricht er zahlreiche Rekorde, erreicht am ersten Tag der Veröffentlichung Goldstatus und kurz darauf den Platinstatus. Mit einem umfangreichen Promoplan, den man bis dato in der Form im Deutschrap noch nicht gesehen hat, schafft er es, über seine schon bestehende Fanbase hinaus, zahlreiche weitere Anhänger zu gewinnen.

Doch Felixs Erfolg kommt nicht über Nacht. 2004 tritt er das erste Mal in die deutsche Rapplandschaft. Der mittlerweile Dreißigjährige macht seine ersten Schritte bei der RBA (Reimliga Battle Arena), einem Battle Portal, bei dem er sich schnell einen Namen machen kann. Sein erstes Mixtape “Zuhältertape Vol. 1” veröffentlicht der Selfmade-MC im Jahr 2005 und setzt damit neue Standards. Alleinstellungsmerkmal sind seine ellenlangen Reimketten mit unverschämt hoher Punchlinedichte und seine entspannte, arrogante Art. Bis heute kann der Verbalakrobat auf 4 Soloalben, 2 Kollaboalben und 5 Mixtapes in seiner Discographie zurückblicken.

 

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