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„ROCKSTAH VS. THE SPORTS“ EPISODE 1: FIFA 15 (REVIEW)

In einer neuen Kolumnenreihe liefert sich der rasende RUN FFM-Reporter und Rapper Rockstah ein heißes Gefecht mit aktuellen Sporttiteln der Videospielwelt und prüft, ob gewisse Sportspiele auch den unsportlichen Buben Spaß machen können. In der ersten Ausgabe widmet er sich dem neuesten Teil der legendären FIFA-Reihe: FIFA 15.

Als Sohn einer Eintracht-Fan-Legende hat man es nicht leicht. Zumindest, wenn man Fußball nicht die nötige Aufmerksamkeit widmet, die sich der Herr Vater gerne wünscht. Denn ein Hendrik Nachtsheim, der gibt sich nicht einfach kampflos geschlagen. Da wird man bereits mit dem Adler-Schal um den Hals zur Welt gebracht und die Dauerkarte gleich dazugelegt. Hunderte von geschenkten Trikots und Fußbällen, massigen Besuchen im Waldstadion und unzähligen Trainingsstunden, von denen ich keine einzige besucht habe, musste ich mich ergeben, bis mein alter Herr mit erschöpften Augen feststellen musste: Dieser Max wird kein Fußball-Fan mehr.

Eine bittere Erfahrung. Für ihn, aber auch für mich. Denn es ist schade, wenn man den Erwartungen des eigenen Papas nicht gerecht werden kann. Ungefähr so müssen sich Jungen fühlen, die eines Tages feststellen, dass sie schwul sind. Sie wollen das vielleicht gar nicht, aber es ist halt so. Auch wenn es den Eltern nicht gefällt. Und so war es auch bei uns. Ich werde halt niemals ein Fußball-Fan.

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Dennoch möchte ich dem guten Mann ein Zeichen setzen. Und wenn es nur in digitaler Form stattfindet. So habe ich schon in Kindstagen mir diverse Fußballspiele für Konsolen schenken lassen. Auch wenn man Papa in meiner Pubertät stets gegen meine riesige Begeisterung für Videospiele war, so bekam ich jedes Sportspiel mit Handkuss. Irgendeinen Sport muss der Junge ja machen – und wenn es nur das ist.

Gekonnt habe ich es allerdings nie so richtig. Egal ob Basketball oder Fußball, Golf oder Tennis, Rennspiel oder Eishockey: Alles, was in irgendeiner Form auf DSF laufen kann, bis auf die Strippermädchen nachts, kann und möchte mein Gehirn als Videospiel nicht gut zocken. Lediglich für ein bisschen Tony Hawk und Agressive Inline hat es damals gereicht, bei „Skate“ war aber schon wieder Schluss. Egal ob „Super Tennis“ auf dem SNES, FIFA 98 auf der Playstation, NBA2k auf der Dreamcast oder ISS auf dem N64 – immer wenn ich dachte, wir werden Freunde, ging einer von uns kurze Zeit später in tausenden von Teilen zu Boden. Und ich war es nicht. Höchstens seelisch.

Allerdings gebe ich nicht auf. Zum einen, weil ich es irgendwie meinem Vater schuldig bin. Zum anderen, weil ich die Begeisterung und Kunst hinter den großen Titeln des breitgefächerten Sportgenres auch endlich fühlen möchte. Wenn ich mich schon beim Besuch im Fitnessstudio wie die personifizierte, schweratmende Vorstadtkartoffel mit Männertitten fühlen muss, dann soll es doch wenigstens auf der heimischen Konsole anders sein. Oder ist das nur eine konsequente, ehrliche Fortsetzung? Man weiß es nicht.

Auf jeden Fall möchte ich es versuchen. Dazu habe ich die Kolumnenreihe „Rockstah VS. The Sports“ ins Leben gerufen. Hier werde ich mich nach und nach aktuellen Sporttiteln stellen und mich rantasten an mein ganz persönliches Nemesis. Zudem werde ich schauen, ob auch Zocker mit einem weniger großen Zugang zum Thema „Sportspiel“ etwas mit den jeweiligen Games anfangen können. Den Anfang macht daher ein alter, neuer Bekannter: das aktuelle Fußball-Spektakel aus dem Hause Electronic Arts: FIFA 15.

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FIFA und ich haben eine ganz besondere Geschichte. Erstmal: FIFA 15 ist nicht das erste Fifa, dass ich mir in meinem Leben ins Regal gestellt habe. So gab es da in der Vergangenheit gleich mehrere Titel. In der Zeit von 1998 bis 2015 habe ich alle paar Jahre wieder immer mein Glück versucht. Die Begeisterung war aber immer nur von kurzer Dauer. Es ist halt nicht mein Sport. Aber welcher ist das schon.

Lediglich in der Schaffenszeit vom Album „Pubertät“ lernte ich im Winter 2012/13 im Studio für einige Tage den Umgang mit dem Fußball-Blockbuster. Ich hatte das Spiel eigentlich nur für meine Produzenten besorgt, aber in den großen Pausen des Nichttuns klemmte ich mich heimlich hinter den Controller – und lernte tatsächlich für einige Tage, wie es sich anfühlt, in FIFA auch mal zu gewinnen. Ein Wissen, das ich beim Verlassen der Räumlichkeiten aber auch schon wieder vergessen hatte.

Zudem spielte ich letztes Jahr im Rahmen des Launches der XBox One gegen niemand Geringeren als Kevin Trapp eine Runde FIFA 14 – und verlor. Unter dem tosenden Beifall einiger Eintracht-Fans musste ich mich dem Können des viel zu schönen Eintracht-Torwarts unterwerfen. Ich verlor 0:2 – eine Wunde, die Sie nur weiter aufgegrätscht haben, Herr Trapp. Aber man möge ihm verzeihen, schließlich war das nur ein weiterer Tropfen auf einem viel zu heißen Stein.

Doch dieses Jahr will ich es wieder wissen. Wie jedes Jahr. Ich fühle mich wie der verzweifelte Gargamel, der unter Tränen drohend den Schlümpfen in den Wald hinterher ruft. „Sollten wir uns wieder sehen, dann könnt ihr was erleben!“ Hörst du FIFA? Du kannst was erleben! Im Grunde nur ein Hilfeschrei. Man sollte mir den Controller abnehmen, mir den Game Boy samt Mario Land in die Hand drücken und mir endlich diese Flausen aus dem Kopf treiben.

„Max, das mit dir und den Sportspielen, das wird nix mehr. Lass es doch einfach. Hör auf. Mach lieber Musik. Das kannst du zwar auch nicht so gut, aber dann bist du wenigstens beschäftigt!“ Aber keiner meiner Freunde erbarmt sich. Im Gegenteil. Diese sensationsgeilen Schweine fiebern nur dem nächsten Versagen meiner Spielerfähigkeiten entgegen, kommentieren mit „So spielt also der König der Nerds? Aha!“ mein verkapptes Spiel, nur um am Ende lautlachend ein bisschen Seelenfrieden für ihr erbärmliches Dasein abzustauben. Aber irgendwann wird das enden. Vielleicht sogar heute.

Eins kann ich gleich vorweg nehmen: Heute konnte ich meine Unfähigkeit für Sportspiele auch nicht in den Griff kriegen. Aber: FIFA war ein dankbarer Gegner und ein schöner Einstieg in die neue Kolumne. Das mag vielleicht an einer gewissen Vertrautheit zur Serie liegen, zum anderen aber auch einfach daran, dass FIFA auf die Schnelle den Leuten Spaß machen soll, die sich nicht direkt in die Weltrangliste keilen. Casual Gamer eben.

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So starte ich das frische FIFA 15 und werde direkt gefragt, in welchem Schwierigkeitsgrad ich mich gerne bewegen möchte. Ich wähle getrost „Anfänger“, was mit dem Untertitel „Ich habe noch nie ein Fußballspiel gespielt“ versehen ist. Noch keine 20 Sekunden an der Konsole, aber schon das erste mal enttäuscht den Kopf gesenkt. Schöner wird es heut nicht mehr.

Danach fordert das Spiel „Wählen Sie Ihren Verein“ – mein Verein? Ganz klar: Natürlich die Eintracht. Man würde mich im Elternhaus sowie in der Redaktion lynchen, würde ich etwas anderes wählen. Der Kevin Trapp würde direkt für die nächste Partie FIFA vor meiner Haustüre stehen, und das Risiko kann ich wirklich nicht eingehen. So wähle ich mit ein bisschen geschwellter Brust die Eintracht und sage laut „Das ist mein Verein!“. Papa wäre stolz.

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Nach einigen Auswahlpunkten bin ich dann im Hauptmenü. Ich klicke mich durch die inzwischen immer größeren Menüs. Als Fußball-Fan ist FIFA wohl ein Traum. Man bekommt massenhaft Infos zur derzeitigen Lage der Bundesliga, hat die aktuelle Tabelle direkt vor sich. Da man am Anfang „seinen Verein“ gewählt hat, ist das Menü voll mit aktuellen Nachrichten rund um die SGE. Es ist ein Paradies für den typischen Fußball-Fan – oder wie ich ihn gerne nenne – für KÖNIG FOSSBALLL. Mit O und drei L. Immer groß geschrieben.

Kichernd erkenne ich den Auswahlpunkt „FUT“ – was klingt wie eine hessische Schlappmaulbeleidigung, ist nur die Abkürzung für „Fifa Ultimate Team“ – eine neue Funktion, bei der Spieler sich ihren eigenen Kader zusammenstellen können, um so die Leistung der eigenen Mannschaft hochzutreiben. Man spricht auch mehrmals von der „Chemie der einzelnen Spieler“. Ich wähle als Team Captain David Alaba aus, weil man mir mal gesagt hat, er sei ein großer Fan von Radio Nukular. Das halte ich zwar für absoluten Unfug, aber ein bisschen träumen muss erlaubt sein. Ich klicke mich durch die Erklärung und starte mein erstes Spiel in FIFA 15. Meine Mannschaft besteht nur aus Weltstars und heißt „Team Alaba“. Scheint okay zu sein.

So beginnt die Partie, und es fallen die ersten Tore. Witzigerweise mache ich direkt mehrere. Ich mache die Tricks, die ich so kenne, und kicke mich durch das Spiel. Immer ein bisschen ähnlich, aber nie langweilig. Ich erreiche die Halbzeit mit 5:2 und baue meinen Vorsprung in der zweiten Halbzeit zu einem 9:2 aus. Ab und zu pfeift mal der Schiri wegen diesem komischen Abseits. Aber das hab ich noch nie verstanden und deswegen ist es mir egal. Hab ja eh genug Tore. Ich fühle mich kurz wie Deutschland im Halbfinale gegen Brasilien. Mein Kopf ist nicht mehr so gesenkt wie zu Beginn. Sehr gern als Erfolg zu verbuchen.

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Ich erkunde noch ein bisschen weiter den „FUT“ Modus. dann schaue ich mir alles andere an. Ich wage für einige Minuten den Einstieg in eine Karriere, versuche ein Online-Match zu starten, aber gerade will der Server wohl nicht. Schade. Keiner, der mich via Headset beleidigt, während er mir ein Tor nach dem anderen in den Kasten pfeffert.

Als Abschluss wage ich noch ein kleines Spiel mit der Eintracht gegen Mainz 05. Man merkt, dass ich nach dem großen Spiel mit meinem Superstar-Kader das Spiel mit der Eintracht doch ein wenig träger und „realer“ wird. Nichts desto trotz erspiele ich für RUN FFM und die gesamte Frankfurter Leserschaft einen stolzen Sieg gegen die blöden Mainzer mit 4:0 und freu mich wie ein Schneekönig. Ein bisschen FIFA kann ich wohl doch. Vielleicht war es aber auch nur der runtergeschraubte Schwierigkeitsgrad.

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REALTALK (Fazit)

Hands Down: FIFA ist ein gutes Spiel, auch für keine großen Fußballkenner. Natürlich entpuppt sich die Magie und Faszination plus Vielfältigkeit für Spieler immer erst dann, wenn man wesentlich mehr in der Materie drinnen ist. Aber dafür sind diese Spiele auch gemacht. Es ist trotzdem löblich, dass der Einstieg auch in der großen Evolution der Fußball-Spiele immer noch leicht von der Hand geht und die Chancen auf nicht völliges Versagen vorhanden sind, auch wenn man nicht alle Möglichkeiten der Steuerung perfekt verinnerlicht hat.

FIFA 15 geht gut von der Hand und sieht ordentlich aus, wenn auch nicht unbedingt besser als die letzten zwei Vorgänger. Auch inhaltlich tut sich immer nur recht wenig. Zudem gibt es jetzt noch die Option In-Game-Content zu kaufen. Ich weiß nicht, ob das sein muss. Aber für Fans ist das bestimmt das Richtige. Fußball ist eben eine Passion, die man entweder fühlt oder nicht.

Und so gehen auch FIFA 15 und ich im Guten auseinander: Wir werden bestimmt nicht mehr die großen dicken Freunde, die wir vielleicht werden wollten. Trotzdem hatten wir ein paar Stunden guten, ehrlichen Spaß miteinander. Und das ist ja auch was wert. Manchmal ist ein Quickie eben schöner als eine Hochzeit. In unserem Fall trifft das wohl sehr zu. FIFA 15 macht auch dicken Kindern ohne Muskeln Spaß und bekommt von mir deshalb das Prädikat FOSSBALLL.

 

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Euer
Rockstah

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