EVENTS, MUSIK

TAPEFABRIK #5 (KONZERTREVIEW)

Am 24.01.2015 war der Tag, an dem im Wiesbadener Schlachthof die Whack MCs geschlachtet wurden. Das Tapefabrik Festival fand nunmehr das fünfte Mal statt und lockte Kopfnicker aus allen Himmelsrichtungen nach Hessen.

Wir haben uns unter die Leute gemischt und uns von dem beachtlichen Lineup (u.a. Hafti und die Spezializtz) die volle Dröhnung abgeholt.

Der Schlachthof liegt ca. 500 Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Neben Biertrinkenden läuft man geradewegs auf einen alten Wasserturm zu, an dessen Fuße das Spektakel stattfindet. Die Main Stage befindet sich in der weitläufigen Haupthalle, die schätzungsweise 2.000 Leute fasst. Die Second Stage ist in der Räucherkammer mit niedriger Decke und fasst um die 250 Personen. Die dritte Stage nennt sich BeatFloor und ist in der 60/40 Bar.

Aufgrund des Schneeregens werden die hochglanzpolierten Sneaker bei Stagewechsel matschbesudelt und obwohl die Stages keine Minute Laufweg voneinander entfernt sind, muss man aufgrund der Einlasskontrolle vor jedem der drei Veranstaltungsorte mehr Zeit für den Lokationswechsel einplanen.

Mädness-Döll-Tapefabrik

Die Besucher der Tapefabrik sind eher weniger YOLO und eher mehr Backpack. Der Großteil der Besucher ist im Studentenalter, einige im Schüleralter und nur wenige im Kindergartenalter. Die niedrige Smartphonenutzungsrate ist sicherlich ein Grund dafür, dass an diesem Abend tatsächlich Gespräche mit Fremden geführt werden. Das passiert, wenn man sich von der eigenen Truppe absetzt, um sich die Acts zu Gemüte zu führen, die dem eigenen Geschmack zusagen und nicht nur als Herdentier umherläuft.

Geselligkeit spielt an diesem Abend eine mindestens genauso große Rolle wie die Künstler. Auch wenn ich den ein oder anderen Sprechgesangsartisten verpasst habe, habe ich dafür ein gutes Gespräch geführt. Dazu kommt, dass sich viele der Rapper nicht im Backstage verkriechen, sondern durchaus unter den Besuchern zu finden sind. Die Tabefabrik schafft eine Atmosphäre, bei der ein enges Verhältnis zwischen Künstlern und Fans entsteht und die Kluft zwischen beiden keine mehr ist. All love.

Das Lineup ist ebenso wie die Besucher fern ab von YOLO und ganz viel Rucksack. Urgesteine wie Creutzfeld & Jakob und die Spezializtz sind ebenso vertreten wie Hafti, Zugezogen Maskulin oder Prezident und die Kamikazes. Trotz der vielseitigen Lineups ist die Soundästhetik der Acts der rote Faden der Tapefabrik, aus dem nur wenige ausgenommen werden müssen.

Hier gibt es straighten realen Rap über Rap mit Rapsoße und Rabbedi-Rap auf Kopfnickerbeats, ohne Premiumbox! Enttäuschungen über Auftritte an diesem Abend gab es keine, allerdings auch keine Überhighlights. Das familiäre Klima ist an dieser Stelle wahrscheinlich Fluch und Segen zugleich. Es kann die Künstler motivieren oder dafür sorgen, dass sie ihren Job zu locker nehmen, um wieder mit den Homies zu chillen.

Spezializtz-Tapefabrik

Dass die Tapefabrik im Jahr 2015 die Spezializtz, die seit 2007 (G.B.Z. Oholika III) keine gemeinsamen Veröffentlichungen mehr hatten, als Headliner einsetzt und nicht etwa zeitgeisttechnisch relevantere Künstler wie Haftbefehl, ist ein Statement. Die Tapefabrik steht für starke Liveacts unabhängig von Hypes und Trends. Der Vibe der Veranstaltung war sehr entspannt, das musikalische Gesamtpaket kann noch Feinschliff vertragen. Aufgrund der angenehmen Atmosphäre wird die nächste Tapefabrik Veranstaltung gerne wieder gestürmt, ein wenig mehr Adaption des Zeitgeistes wäre allerdings wünschenswert.

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Yoscha

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