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GOOD COP / BAD COP: THE ORDER 1886 AUF PLAYSTATION 4 (REVIEW)

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Bis dato hielt sich das exklusive Line-Up der Next Gen Konsolen XBox One und Playstation 4 stark in Grenzen. 2015 soll sich das nun auf beiden Plattformen endlich ändern. Den Anfang macht der PS4-exklusive Blockbuster „The Order 1886“.

Es ist schon so eine Sache mit den neuen Konsolen: Da haben Suchtis wie ich im Dezember 2013 über 1000€ für neue Konsolen, Spiele und Zubehör ausgegeben… aber für was? Bis dato blieben Technik und Grafik der sogenannten „Next Gen“ recht überschaubar und nah an den Vorgängern. Die Sprünge der Konsole sind fast nicht mehr ersichtlich. Deprimierend, wenn man den Wechseln von SNES zu N64 erleben durfte. Auch 2014 änderte sich daran recht wenig. 2015 soll sich das nun aber ändern.

So erschien letzten Freitag das brandneue „The Order 1886“ für die PlayStation 4. Der Third-Person-Shooter wurde von Ready At Dawn entwickelt (welche u.a. für „Okami“ und diverse „God Of War“ Teile zuständig waren) und spielt – überraschenderweise – im 1886er London. Ihr übernehmt die Rolle von Sir Galahad, einem Mitglied des Ordens. Der Orden ist eine fiktive Weiterführung der „Ritter der Tafelrunde“. Gemeinsam mit den Kollegen Sir Percival, Lady Igraine und Marquis de Lafayette müsst ihr im Namen des Ordens dafür sorgen, dass London sauber bleibt. Keine so leichte Aufgabe angesichts der wachsenden Werwolf-Pest und Rebellenbewegung aus dem Untergrund.

Die Geschichte ist vollkommen okay und ordentlich, soll aber in dieser Review nur zweitrangig sein. Denn was euch interessiert, ist die große Frage: Ist das Spiel geil oder ist das nicht geil?

Ich gehe der Sache mit doppelter Miene auf den Grund in einer neuen Ausgabe „Good Cop / Bad Cop“.

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Steampunk Is Not Dead

In einer Zeit der ewigen Wiederholungen und Kopien betritt „The Order 1886“ ein vergleichsweise unverbrauchtes Szenario. Das viktorianische London wurde in ein alternatives Gewand getränkt, in dem sich Technik und Magie die Hand reichen. Es gibt allerhand Verweise auf die reale Geschichte ergänzt durch Werwölfe, kleine Fantasyelemente und abgefahrene Waffen sowie Kostüme. Steampunk eben. Das Ganze fühlt sich überraschend frisch an und vermittelt das Gefühl von Filmen wie „The Prestige“ oder „Van Helsing“. So bringt „The Order“ eine sehr eigensinnige Spielatmosphäre mit sich, die für Vielzocker und Genre-Freunde wie mich eine wunderbare Alternative bietet.

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Endlich mal Next Gen Grafik (zumindest ein bisschen)

Grafikhuren, die bis dato auf den neuen Konsolen noch nicht das eine große befriedigende Erlebnis hatten, dürfen dank „The Order 1886“ endlich aufatmen: Da ist es. Zwar ist vieles im Detail noch nicht perfekt, aber zumindest im Großen und Ganzen hat „Ready At Dawn“ da einen verdammt guten Job gemacht. Meiner Meinung nach den Besten, den man bis dato auf den aktuellen Konsolen begutachten konnte.

Man läuft vom einen „Oha!“ Moment in den Nächsten und das fast die gesamte Spielzeit durch. Egal ob Waffen, Charaktere, Umgebung oder die Effekte wie Feuer und Strom – alles sieht aus wie frisch aus einer Final Fantasy Zwischensequenz exportiert. Kombiniert mit den alternativen und abgefahrenen Schauplätzen auf jeden Fall eines der ersten großen grafischen Aushängeschilder für die Leistung der PS4. Obwohl das nach 14 Monaten Marktzeit auch ein bisschen traurig ist.

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Sir Galahad & Konsorten

„Wann gibt es eigentlich mal wieder einen neuen coolen Videospielhelden?“ Das frage ich mich in letzter Zeit immer mal wieder. Nicht, dass ich meinen Link, Kratos oder Solid Snake nicht mehr leiden könnte – im Gegenteil – aber irgendwann muss doch mal wieder ein neuer Charakter auf die Bildfläche treten. Einen, den man gerne beim nächsten Smash Bros auswählen würde.

Nicht diese ganzen seelenlosen Nichtssager und glattgebügelten Schönlinge aktueller Blockbuster, die man nach 30 Stunden Spielzeit trotzdem wieder vergessen hat. Ich meine Helden mit Ecken und Kanten, Typen mit Profil. Sir Galahad in „The Order 1886“ macht da tatsächlich einen Schritt in die richtige Richtung. Zumindest kann man sich seinen Namen mal wieder merken.

Zwar verträgt die Figur in Zukunft noch ein bisschen mehr Tiefe, aber die Äusserlichkeiten und das dankbare Setting geben das Potential für einen der ganz großen neuen rauen Helden her. Auch seine Entourage wirkt lebendig und eigen genug, um nicht vollkommen in Vergessenheit zu geraten. Was nicht zuletzt an der gelungenen deutschen Synchronisation liegt. Hoffen wir mal, dass man das Spiel in einer möglichen Fortsetzung an diesen Punkten weiter ausgebaut wird.

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Zu kurz, zu abgehackt

Mit nur durchschnittlich 7 Stunden Spielzeit ist „The Order 1886“ gerade mal ein Mü länger als eine typische CoD-Kampagne. Allerdings bringt CoD einen gigantischen Multiplayer-Modus mit sich, der in „The Order 1886“ gänzlich fehlt. Der Wiederspielwert ist damit recht gering, was auch daran liegt, dass das Spiel sehr schlauchförmig erzählt wird und keinerlei Ausbrüche nach links und rechts zulässt. Zudem wirkt das Ende zu abgehackt und lässt einem mit einem furchtbaren Cliffhanger in die Credits gehen. Das fühlt sich für Story-Fans nahezu tödlich an.

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Zu viel Spielfilm, zu wenig Spielraum

Wie schon im letzten Punkt angesprochen: „The Order 1886“ lässt wenig Platz für die große eigene Erkundung. Man wird schnell durch kleine Abschnitte in der Story geschoben und hat nie wirklich Zeit, sich auf die jeweiligen Orte einzulassen. Das lässt einen stellenweise keine wirkliche Bindung zu dem Spiel aufbauen. Das mag jetzt wie dummer Esoterik-Quatsch klingen, aber wir lieben doch vor Allem die Spiele, wo wir uns wie zuhause fühlen.

Statt der großen Erkundung gibt es aber nur sehr eingeengte Passagen mit den Standard-Elementen Quick-Time Event und „ducken, decken, schiessen“ . Das wirkt allerdings nicht so dynamisch wie z.B. die Genrevorbilder Gears of War oder Resident Evil 4. Oft spielt sich „The Order 1886“ fast schon ein bisschen träge in den Kampfpassagen. Man bekommt weniger ein Spiel als mehr einen interaktiven Film mit fantastischer Optik. Sozusagen ein „SPIELFilm“. Verstehste? Kennste Kennste? Wahnsinniges Wortspiel.

 

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FAZIT

Spiele wie „The Order 1886“ leiden ein bisschen unter dem Problem, unter dem auch oft viel zu schöne Menschen leiden. Man schaut Sie an, findet sie geil, will mit ihnen abhängen und dann merkt man, dass sich dahinter nicht viel mehr verbirgt als heiße Luft und alles ein bisschen verklemmter ist als erhofft.

Ein ähnliches Problem hatte damals auf der XBox One Starttitel „Ryse“. Zwar ist „The Order 1886“ alles andere als schlecht oder seelenlos und macht auch wirklich Spaß, aber der große Blockbuster ist es leider nur in der Optik.

Die mangelnde Spieldauer, der fehlende Wiederspielwert und die unambitionierten Kämpfe machen das PS4 Debut von Ready At Dawn nur zu gutem Mittelmaß.

Einmal Spaß haben könnt ihr damit aber trotzdem. Es ist eben wie im Reallife: Aussehen ist nicht alles.

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