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5 Gründe, warum ihr vor der ersten Staffel Daredevil keine Angst haben braucht

daredevil

Nach dem mittelmäßigen Kino-­Debüt von Daredevil hat man nun im Rahmen von Netflix das Thema komplett neu aufgerollt und eine Serie rund um den blinden Superhelden gebastelt. Ich hab mir die Staffel mal angesehen und kann euch sagen: Keine Sorge, alles wird gut.

Mit der Verfilmung von „DareDevil“ hat man der Menschheit 2003 keinen großen Gefallen getan. Trotz Starbesetzung mit Ben Affleck, Colin Farrell und Jennifer „ich kann nur dieses eine nervige Gesicht!“ Garner war der Film unteres Mittelmaß. Es folgte das Spinoff Electra, was sich als noch eine Spur gruseliger entpuppte. Jennifer Garner darf eben alles, nur keine Hauptrolle bekommen.

Anfang der Nullerjahre war eben eine Zeit, da wusste man noch nicht immer, wie man das mit der guten Comicumsetzung für die Leinwand hinbekommt. Man denke an Hulkoder Fantastic Four. Inzwischen hat man den Bogen aber raus und Filme wie „Dark Knight“ sowie „Guardians of The Galaxy“ bzw. „Avengers“ zeigen auf ihre ganz eigeneWeise, wie man das Thema ohne obligatorische Anflüge von Fremdscham meistern kann. So gut, dass das inzwischen sogar auf Serien übertragbar ist.

So war meine Angst vor dem Netflix­ Projekt „Dardevil“, trotz des fast schon „Batman & Robin“-­artigen Trashausflugs der ehemaligen Verfilmung, nur minimal. Und ich wurde nicht enttäuscht. Hier meine fünf Gründe, warum das Reinschauen auf Netflix sich definitiv lohnt.

Achtung: Dieser Artikel enthält kleinere Spoiler!!

 

MODERN DEVIL

Vor einem Jahrzehnt wirkten die Verfilmungen diverser Comiclizenzen eher wie quietschbunte Kostümpartys. Heute kennt man diese Darstellungsweise eigentlich nur noch aus den dazugehörigen Porno­-Parodien. In den echten Serien und Filmen setzt man inzwischen oft auf eine reifere Inszenierung. Vor Allem die „Dark Knight“ Triogie von Christopher Nolan machte dort viele Türen auf, wo sie einige für ewig verschlossen sahen. Nolan machte nicht nur Batman wieder kino­würdig, sondern kreierte eine ganz eigene Mischung aus Comic­-Feeling, Ruhe, Düsternis und Gewalt. Ein Rezeptur, die natürlich ihre Nachahmer findet.

So setzt man auch in Daredevil auf eine gefasstere, bodenständigere und auch brutalere Darstellung. Man nimmt sich Zeit, die Geschichte von Matt Murdock aka Daredevil zu erzählen. Der Bezug zu seinem Vater, der Umgang mit seiner Krankheit, die Freundschaft zu Foggy Nelson. Der Traum, als Anwalt aber auch dunkler Rächer in Hell’s Kitchen für Gerechtigkeit zu sorgen. Jede Figur wird langsam an den Zuschauer rangeführt. Man nimmt sich die Zeit, die man in einem Film nur selten hat. Ein klarer Vorteil von Serien eben.

Daredevil wirkt im Gesamtbild über 13 Folgen hinweg stets angenehm angespannt und lässt es an den richtigen Stellen krachen. Eine erste Staffel versteht sich eben oft als langatmiges Intro eines größeren Ganzen. Und in dieser Rolle entfaltet die erste Staffel bereits ein wunderbares, düsteres Potential.

 

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KEIN BEN AFFLECK

Nicht, dass ich ein Problem mit Ben Affleck habe. Aber dem Mann stehen gewisse Filme einfach nicht. Ich bin immer dann Fan von Affleck, wenn er eine Rolle bekommt, die zu seinem leicht arroganten, verzweifelten Gesicht passt. Argo zum Beispiel. Ein Superheld steht ihm aber definitiv nicht, auch nicht ein Blinder. Selbst der eigentlich großartige Colin Farrell wirkte wie ausgewachsene Variante eines irischen Gnoms, der vergessen hat, den Kessel voll Gold zu bewachen und sich deshalb vor lauter Wut eine Zielscheibe in die Stirn geritzt hat. Und Jennifer Garner? Die würde wahrscheinlich nicht mal in einem Porno gut funktionieren. Bekannte Namen sind eben nicht immer alles.

Und dass es eben nicht immer nur prominenter Gesichter bedarf, macht die Daredevil-Serie ganz klar deutlich. Die Gesichter von Charlie Cox (Daredevil bzw. Matt Murdock), Deborah Ann Woll (Karen Page) oder auch Eldon Henson (Foggy Nelson) hat man vielleicht hier und da schon mal gesehen, aber sind dennoch wunderbar unverbraucht.

Die Darsteller wirken überraschend unaufgeregt und die Leistung von Cox als blinde rProtagonist ist eine wahre Meisterleistung. Selbst Nebenfiguren wie Ben Ullrich oder Claire Temple bekommen in den richtigen Momenten die nötige Portion Aufmerksamkeit.

Insgesamt wartet Daredevil mit einem der besten und rundesten Besetzungen auf, die man in einer Actionserie seit langem betrachten durfte.

 

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WILSON FISK

Das Casting von Daredevil ist durchweg gelungen, der wahre Held in Sachen Besetzung ist leider nicht Matt Murdock selber, sondern ausgerechnet sein Gegenspieler Wilson Fisk. Wilson Fisk, der Kingpin von Hell’s Kitchen, wird gespielt von Vincent D’Onofrio und hält die Hand über die dunklen Machenschaften seines Viertels. Er ist der Puppenspieler der bösen Buben rund um Drogen­ und Menschenhandel. Sein Name darf nicht ausgesprochen werden, die meisten seiner Geschäftspartner kriegen ihn nur selten zu Gesicht. Selbst dem Zuschauer wird erst zum Ende der dritten Folge gezeigt, von wem überhaupt die Rede ist. Bis dahin wird Fisk von seiner rechten Hand und Stimme James Wesley (ebenfalls großartig besetzt mit Tobey Leonard Moore) vertreten.

Der Auftritt von Fisk ist nicht das, was man erwartet. Statt einem angsteinflössenden Allzeitpsychopathen wirkt das erste Auftauchen von Fisk regelrecht zerbrechlich und verletzt. Fisk ist nicht der übliche charakterlose Bösewicht, wie man ihn schon tausendmal gesehen hat. Die Geschichte hinter Fisk, welche nach und nach aufgerollt wird, ist grausam und dunkel. Die Figur brutal und verletzlich.

Fisk kann lieben, aber auch hassen. Beides mit vollem Herzen. So schafft Fisk es, den Zuschauer in einem ständigen Wechselbad der Gefühle zu halten. Immer dann, wenn man vor der aufbrausenden Figur regelrecht erzittert, reagiert er im nächsten Moment so menschlich und emotional niedergeschmettert, dass man ihm die wulstige Glatze streicheln möchte.

Fisk ist der dunkle Schatten, der wie ein Schleier über der ersten Staffel von Daredevil liegt und deshalb ein wichtiges Element für die Stimmung der gesamten Serie. Die Leistung von D’Onofrio ist anbetungswürdig und einer der ganzen großen Momente in Sachen „Supervillain 2015“. In Staffel 2 bitte mehr davon.

 

rockstah-happy

TECHNIK, DIE BEGEISTERT

Auch auf der technischen Seite ist Daredevil mehr Kinofilm als Serie. Ein dröhnender Soundtrack von John Paesano unterwandert immer wieder leise die Bassbox und unterstreicht perfekt die Anspannung, welche sich durch Daredevil wie ein roter Faden zieht. Die Kampfchoreografien sind stets hochwertig, der Umgang mit der Sehunfähigkeit von Murdock immer unpeinlich in Szene gesetzt. Die Kamerafahrten sind oft ein Hochgenuss, stellenweise sogar „schnittlos“. So schnittlos, wie eben auch Birdman ist.

Aber das bricht der Sache keinen Zacken aus der Krone. Daredevil ist an allen Ecken und Enden ein High­-Class Produkt, man hat aus dem Budget das Letzte rausgeholt und verstanden, wie der Hase 2015 im Bereich Serien zu laufen hat und ein wahres Geschenk an den Zuschauer gemacht.

 

DER ANFANG VON WAS GROSSEM

Die erste Staffel rund um Matt Murdock lässt sich tatsächlich wie ein Intro verstehen. Aber nicht nur für weitere Daredevil Seasons, sondern auch weitere Marvel-Serien, die in Zukunft auf Netflix landen sollen. Insgesamt sind 4 Serien geplant, die am Ende in der Serie „Marvel The Defenders“ münden soll, alle im Marvel Cinematic Universe angesiedelt. Weitere Serien bis dahin werden laut Filmstarts „A.K.A. Jessica Jones“, „IronFist“ sowie „Luke Cage“ sein. Auch über einem Auftritt aller vier Figuren im 2019 erscheinenden „Avengers: Infinitiv Wars Part II“ wird gemunkelt. Beachtlich und lobenswert, dass man sich bei Marvel bzw. Disney immer mehr traut und auch das Augenmerk auf bis dato eher kleinere Figuren des riesigen Marvel­-Universums legt.

Gerade für mich, der nicht sonderlich gerne Comics liest, ist das, was da gerade in der großen Welt der Unterhaltung passiert, ein Geschenk. Aber auch für viele eingefleischte Marvel­-Fans.

FAZIT: Mit Dardevil geht man einen unkomplizierten, originellen Weg in Sachen Comicumsetzung und zeigt, wie erwachsen und reif das Genre in den letzten Jahren geworden ist. Aus dem Latex­-Affleck ist ein erwachsener Superheld geworden und aus dem kurzlebigen Popcornkinoevent eine ernstzunehmende Popreferenz, die bis dato 2015 in den vorderen Reihen der besten neuen Serien einreihen darf. Angesichts des großartigen zweiten Avengers Films und dem mehr als gelungenen „Guardians of The Galaxy“ Films 2014 kann man sich immer mehr auf kommende Marvel­-Releases freuen, selbst von eigensinnigen Umsetzungen wie „Ant Man“ (Kinostart in Deutschland am 23.07.2015) oder der in Deutschland im Mai erscheinenden Serie „Agent Carter“. Wir sind gespannt und haben definitiv Bock. Rockstah

 

Alle 13 Folgen der ersten Staffel „Daredevil“ gibt es seit dem 10.04. exklusiv auf Netflix zu sehen.

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