MUSIK

„Es war viel schwieriger beim zweiten Album, viel schwieriger!“ – Fashawn über „The Ecology“ & seine Anfänge!

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Ich habe eine knappe Stunde mit Fashawn telefoniert, als er in Berlin war. Alles über sein neues Album sowie die sehr persönliche Dokumentation über ihn, und bei welchem Song am besten euer Nummernschild abfallen sollte, könnt ihr jetzt hier nachlesen.

Fashawns “Boy Meets World“-Nachfolger ist nun seit 4 Monaten auf dem Markt und hört auf den Namen “The Ecology“. 6 Jahre hat der gute Mann aus Fresno an seinem starken, zweitem Studioalbum gearbeitet. Es trifft einen streckenweise hart aber predigt gleichzeitig auch Beharrlichkeit. Es hält die Messlatte weiter oben und lässt mit Neugier erwarten was in Zukunft folgt.

Längst überfällig, dass wir uns mit dem 26-jährigen Kalifornier unterhalten!


Das erste Mal habe ich von dir auf Statik Selektahs Track „The Coast“ gehört, daraufin hab‘ ich ein bisschen Online-Recherche gestartet und bin über deinen YouTube-Kanal gestolpert, und das Erste, was mir ins Auge sprang, war das „Germany Loves Fashawn“-Video, in dem du und Exile von der zauberhaften, blonden Dame im Kiosk zusammengeschrien wurdet.

(Fashawn lacht laut)

Das war in Berlin, richtig?

Definitiv! Den Moment werde ich nie vergessen, das war gut! (lacht) Sie versuchte, mich aus dem Laden zu schmeißen, und ich habe ihr nur versucht zu zeigen: „Hey, schau mal, das bin ich hier in dieser deutschen Zeitschrift!“. Juice Magazin war das damals, aber sie schrie nur: „Ist mir egal, raus hier!“ Aber das waren gute Zeiten, Mann. Ich habe eine spezielle Bindung zu Deutschland, „we go wayyy back“!“

Cool. Nachdem ich noch ein bisschen weiter gediggt hatte, kaufte ich dein Debütalbum und habe mich sofort in den Titeltrack („Boy Meets World“) verliebt. Definitiv einer meiner absoluten Favorites bis heute. Generell war das ganze Album, was du mit Exile gebastelt hast, eine ziemlich perfekte Kombination von Raps und Produktion. Wenn du dir einen Track von deinem Debutalbum aussuchen müsstest, um ihn Leuten zu zeigen, die noch nie von dir gehört haben, welcher wäre es und warum!?

„Ich würde mir … damn, das ist echt eine schwierige Frage! Ich würde wahrscheinlich „The Ecology“ nehmen. Das ist sozusagen die Urgestalt und der Ausbruch meines Sounds, meine Richtung und meine demografische Herkunft. Ich spreche nicht nur über sondern auch für sie in diesem Song. Der Song zeigt wirklich sehr gut, was Exile und mich ausmachen.“

Ihr habt einen wundervollen Job mit der „Ecology“-Dokumentation gemacht, sehr berührend, gerade die Szenen mit deiner Tochter. Es ist sehr ungewöhnlich, so etwas Persönliches und Reifes von einem Rapkünstler zu sehen. Wie kam es zu dem Konzept?

„Die ganze Idee wurde mir von Punit Dhesi vorgestellt, der auch Regie geführt hat. Er wollte den Leuten mich als den Mensch, den Mann zeigen. Im Gegensatz dazu, mich als Celebrity oder als Künstler zu präsentieren. Er wollte näher ran, durch seine Linse, seine Kamera. Ich habe bis dato nie einen Journalisten so nah an mich heran gelassen oder generell jemandem, mit dem ich Business mache. Ich bringe Leute normalerweise nicht so nah und eng in mein echtes Leben, ich versuche es geschäftlich zu halten. Aber dieses Mal wollte ich den Leuten zeigen, warum ich mache, was ich mache. Bestimmt wissen mittlerweile viele, was ich mache, aber ich denke nicht, dass sie überhaupt irgendeine Idee davon haben, warum ich es mache. Deswegen glaube ich, dass die Dokumentation genau das beantwortet. Sie zeigt Teile von mir, die du nicht auf dem Album hörst. Mir wurde ein Riesengewicht von den Schultern genommen, nachdem sie veröffentlich wurde und die Resonanz und Zustimmung so positiv ausfiel.“

Ganz genau das Gefühl hatte ich beim Schauen auch. Du hast den Fokus nicht auf irgendwelche oberflächlichen…

„Ich bin ja nicht mal wirklich in der Dokumentation! (lacht) Es ist lustig, es geht um mich, aber ich komme selbst kaum zu Wort. Es sind die Leute, die geholfen haben, mich zu formen und zu dem zu machen, was ich heute bin. Und ich interviewe sie, ich bin hinter der Kamera. Also ein ganz anderer Ansatz. Ich bin froh, dass wir es genauso gemacht haben, Shoutout an Punit Dhesi und Mass Appeal und alle, die geholfen haben die Doku zu machen.“

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Nun zu deinem neuen Album. Oft kann das zweite Album nicht mit dem ersten mithalten oder es klingt weniger hungrig. Aber wenn ich „Boy Meets World“ mit „The Ecology“ vergleiche, finde ich, ihr habt euch selbst übertroffen. Ich wollte dir meinen Lieblingstrack nennen, aber je öfter ich das Album höre, desto mehr mag ich alle Tracks.

„Danke, danke, Mann. Das freut mich zu hören und ich weiß das zu schätzen.“

Wie würdest den Arbeitsablauf im Vergleich zu deinem Debüt beschreiben und stimmst du mir zu, dass dein neues Album noch besser ist?

„Es war viel schwieriger beim zweiten Album, viel schwieriger! Beim ersten Album gab es keine Erwartungen, es gab keine Vorhersagen, was ich machen würde oder ob ich Erfolg haben würde. Dieses Mal war die Höhe des Drucks und die Menge der Erwartungen einfach überwältigend. Auch speziell, da ich bei NaS unterschrieben habe, das hat alles auf ein ganz anderes Level gehoben. Wenn man allerdings nur die Arbeit im Studio betrachtet, ist der Hauptunterschied, dass das erste Album so schnell fertig war. Rückblickend ist das alles nur noch verschwommen, und bei diesem Album brauchte es so viel Zeit, so viel Blut, Schweiß und Tränen. Beim ersten Album schickte Exile mir einfach Beats aus LA, oder wo auch immer auf der Welt er sich gerade befand. Er schickte mir die Beats per E-Mail und ich nahm meine Vocals auf und schickte ihm einen fertigen Song zurück. Beim neuen Album saßen wir in einem Raum und bildeten den Sound gemeinsam. Der andere Unterschied ist offensichtlich, ich habe plötzlich ein paar Götter des Rapgeschäfts mit auf dem Album, ich habe meine Tochter mit auf dem Album, ein ganz anderer Prozess, den ich nie hätte vorhersehen können.“

Wenn du dich zwischen den beiden Alben entscheiden müsstest…?

„Das würde ich nicht. Beide waren perfekt zu dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung. Beide hatten ein passende Geburt, ich habe beiden beim Aufwachsen zugesehen. Verstehst du, das sind auch irgendwie meine Kinder. Die Alben sind wie mein Sohn und meine Tochter. „Boy Meets World“ ist meine Tochter und „The Ecology“ ist mein Sohn. Ich kann kein Lieblingskind wählen, ich bin einfach nur ein stolzer Vater.“

Ich habe letzte Woche 3 Gigs gespielt und fand es faszinierend zu sehen, wie gut „Out The Trunk funktioniert, unabhängig von der Crowd und dem Veranstaltungsort. Auch im Radio kamen mehrere Anfragen, welcher Song das wäre. Du hast in einem anderen Interview gesagt, der Song wäre in letzter Minute noch mit auf das Album gekommen. Hättest du gedacht, dass er so einschlägt?

„Eigentlich mache ich solche Songs nicht (lacht), ich habe noch nie so etwas wie einen Clubsong gemacht. Auch der hier war nie als Clubhit gedacht, es ist wirklich für die Boxen im Auto gedacht, so wie ich es im Song sage: „This one is for the trunk, wake up the neighborhood…“. Ich wollte einen Song haben, der dein scheiß Nummernschild abfallen lässt, wenn du ihn auf einer gewissen Laustärke anstellst (lacht). Und ja Mann, es war so knapp, Ex kam wirklich in letzter Sekunde damit um die Ecke. Wir dachten alle, das Album sei fertig. Und dann hörte ich den Beat, die Zeit stand kurz still und ich meinte nur: „Wir müssen jetzt noch diesen Song machen!“ Die Resonanz ist krass überwältigend, ich bekomme normalerweise Lob für meine eher innigen Songs wie „Mother“ oder „Higher“, aber die Leute fühlen sich wirklich von diesem hier angezogen, mehr als ich je gedacht hätte. Und ich habe den Song bis jetzt noch nicht live in Europa performt, also bin ich verdammt neugierig, wie er hier funktioniert.“


Und das werden wir spätestens am 9. September wissen, wenn der gute Fashawn bei uns im Zoom zu Gast sein wird.

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FASHAWN WITH SPECIAL GUESTS
Mittwoch, 09.09.2015 – 21:00
Zoom, Brönnerstraße 5-9, 60313 Frankfurt
Tickets: 20,50€ zzgl. Gebühren
Facebook-Event

FASHAWN: WebseiteFacebookInstagramTwitterYouTubeSoundCloudauf RUN FFM

In Teil 2 des Interviews erfahrt ihr, welchen Song er als kleiner Junge als erstes auswendig mitrappen konnte, wie NaS persönlich ist, und was seine Botschaft an alle RUN FFM-Heads da draußen ist.

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