EVENTS, MUSIK

More Real Rap vom Out4Fame Festival 2015 – so war’s!

out4fame-festival-2015

Wenn die Kühe weichen und die Flugzeuge kreisen, dann ist es Zeit für das Out4Fame Festival. In Hünxe bei Bottrop fand es zum zweiten Mal auf dem 16.000qm großen Gelände mit Platz für 12.000 Personen statt. Im Festivalbericht erfahrt ihr, wie wir das Unwetter überlebt haben, welcher Act am besten war und ob wir euch das Festival empfehlen können.

Der gemeine Festivalbesucher genießt auf dem Out4Fame Festival das Privileg, seine physischen Kraftreserven vollständig für die Performances hergeben zu können. Festivalgelände, Parkplatz und Zeltplatz grenzen direkt aneinander an, was für Laufwege unter fünf Minuten sorgt. Die drei vergleichbar großen Areale werden in der Festival Off Season als Acker- und Weidefläche genutzt und sind demnach schutzfreie Sonnen-Brutzel-Zone für dein‘ Kafa.

Out-4-Fame-Festival-Welcome

Um auf das Festivalgelände und den Campingplatz zu hoppeln, müssen Pferdestartboxen passiert werden, vorbei an schwarz gekleideten Inspektoren. Meist dauert es keine fünf Minuten, bis Warterei und Kontrolliererei vorüber und die Pforten frei gegeben sind. Nerviger sind die unklaren „Sicherheitsrichtlinien“. Diese sind leider nirgends auf Pergament gedruckt, wodurch die Securities inkonsistente Erlaubt-/Nicht-Erlaubt-Vorstellungen haben und der Beutel für das Festivalgelände nicht akkurat gepackt werden kann (keinen Hammer? Keine 1,5 Literflaschen? WTF?!).

Out-4-Fame-Festival-Azad

Rapsta: „Stage Diving, Ding Dong, alles RASSIERT“

Der Zeltplatz ist donnerstagabends noch überschaubar bevölkert, was allerdings nicht lange vorhält. Am Freitagmittag, zu Beginn des ersten Festivaltages, ploppen die mobilen vier Wände aus dem Boden wie Maulwurfhügel. Wo am Donnerstag noch der freie Laufweg zu den Dixies war, ist jetzt ein Labyrinth durch Pavillon-Wohnzimmer und Abspannseil-Stolperfallen. Nachts ertönen Stimmen der Nachbarn und Musik aus der Ferne, insgesamt ist es allerdings verhältnismäßig ruhig.

Out-4-Fame-Festival-Samy-Deluxe

Die Kontrolle passierend betreten wir staubigen Fußes den Marktplatz des Festivalgeländes. Zu unserer Linken leuchten Schriftzüge, die mit „Pizza“, „Falaffel“ oder „Asia Snack“ locken. Der kulinarische Halbkreis beheimatet zusätzlich eine Ladestation für mobile Endgeräte und umschließt die Sitzgelegenheiten aus feinster Eiche. Graden Schrittes voranschreitend geht es vorbei an einem Head-Shop und diversen Textilhändlern zum Platz where the Magic happens. Zur Linken ragt die Mainstage aka Red Stage in den Himmel und der Nase nach kann die Green Stage erblickt werden.

Out-4-Fame-Festival-Mobb-Deep

Marvin Game: „Mauli, Rapsta, Marvin Game“

„Coins sind die Währung des Festivals“, heißt es im Festivalguide. Es sind allerdings verschiedene Währungszonen auf dem Gelände zu finden. Wenn es um Flüssigkeit geht, sei es die Zufuhr, die Abfuhr oder zu Reinigungszwecken, sind die Coins das Festivalgwalla. Verändert sich allerdings der Aggregatzustand zu kaubar oder tragbar, so ist wieder der Euro gefragt. Ich würde mir wünschen, dass diese Info deutlicher kommuniziert wird oder eine einheitliche Reglung gefunden wird.

Out-4-Fame-Festival-Ruggedman

Das Motto des Festivals lautet „More Real Rap“, welches sich sowohl im Publikum als auch im Lineup wiederspiegelt (wenn davon ausgegangen wird, dass es im Jahr 2015 keinen „Real Rap“ mehr gibt). Das Publikum auf dem Out4Fame unterscheidet sich merklich von dem des Splash Festivals. Es sind keine H&M- HipHopper mit albernen Festivalgimmicks zu sehen, dafür mehr Personen in 2005er Mode. Die wenigsten Festivalbesucher sind unter 20 Jahren und die über 30-Jährigen sind zahlreich vertreten. Im Vergleich zum letzten Jahr sind auch deutlich mehr Frauen anwesend.

Out-4-Fame-Festival-Curse

Takt32: „authentisch, energetisch, außergewöhnlich“

An beiden Tagen liest sich das Programm ab 19:30 Uhr wie eine Ü30-Party. Neben wenigen Newcomern setzt das Out4Fame den Fokus auf Artists mit etabliertem Legendenstatus. Aktuell relevante Künstler sind kaum nennbar. Das Karrierehoch der Headliner liegt in der Vergangenheit. Mit wenigen Außnahmen wie Summer Cem, Takt32, Marvin Game, Mauli, Rapsta oder der 187 Straßenbande, welche sich auf modernen amerikanischen Beats austoben, klingt das Soundgewand der anderen Artists nach Kratzen und Golden Era.

Out-4-Fame-Festival-Busta-Rhymes

Die Highlights des Festivals waren die Auftritte von Busta Rhymes und Samy Deluxe. Beide glänzten mit einer Performance, die Harndrang vergessen lässt. Beide MCs veranstalten Flowabfahrten, dass einem schwindelig wird und der Atem stockt. Beide haben eine Bühnenpräsenz, die dafür sorgt, dass alle Äuglein auf sie gerichtet sind.

Die Auftritte vom Wu Tang Clan und Mobb Deep hingegen klingen so, als ob ein und derselbe Beat immer und immer wieder im Loop läuft und die Mic Checker versuchen, das Publikum per Monotonie in Schlaf zu versetzen. Da mir der Nostalgiefaktor als 90er Jahrgang nicht über die Spieldauer der Konzerte hinweghelfen kann, finde ich die Performances primär unspektakulär (Ich bin zu jung für diesen Scheiß).

Out-4-Fame-Festival-Wu-Tang-Clan

Das Out4Fame ist eindeutig ein Festival der Gemütlichkeit. Picknickdecken statt Bierbong. Campingurlaub statt Festivalfieber. Wo das Splash irgendwo outa space durch die Gegend fliegt, bleibt das Out4Fame bodenständig. „More Real Rap“ und beiseite mit dem Mainstream. Damit ist das Festival weder schlechter noch besser als das Splash. Es zielt schlichtweg auf eine andere Zielgruppe und diese fühlt sich auf dem Festival wunderbar aufgehoben. Für nächstes Jahr wurde bereits der Papa des „Real Rap“ aka King Kool Savas angekündigt, der bereits 2014 den Acker zum Beben brachte.

OUT4FAME FESTIVAL: Website – Twitter – Instagram – Facebook – Twitter – Youtube – auf RUN FFM

PS: Danke an die Veranstalter für die Einladung! Danke an Julien Kerduff für die tollen Bilder.

PPS: Wer keine Lust auf die Sanitäranlagen auf dem Gelände hat, dem empfehle ich einen Ausflug in das Atlantis Schwimmbad in Dorsten. „Richtige“ Duschen für zwei Euro. Außerdem ist es sehr hilfreich, mit dem Auto unterwegs zu sein. Die nächsten Shoppinggelegenheiten sind nicht in Laufnähe.

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