FRANKFURT, MUSIK

Vom Handyvideo zum 4K-Musikvideo-Debut: Wir haben mit dem neusten 385i-Signing Nimo gesprochen!

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Brudingo Laurens Dillmann und ich waren Ende letzten Jahres bei Celo & Abdis Label 385i zu Besuch, um mit ihrem neusten Signing zu quatschen. Der junge Mann hört auf den Namen Nimo und bringt am 26.02.16 sein Debutmixtape „Habeebeee“ auf den Markt. Wir führen das Gespräch im Rauch vom Haze und versuchen herauszufinden, wer genau dieser Nimo ist: Kiffer? Knacki? Krimineller? Künstler? Keiner der Begriffe wird Nimo ganz gerecht, aber macht euch gerne euer eigenes Bild.

Denn auch im Interview nimmt Nimo kein Blatt vor Mund – Ausnahme natürlich OCB.

 

Wie lange machst du schon Musik?

„Ich war erst 13 Jahre alt. Gerade die Zeit, wo man anfängt zu rauchen, als ich ein bisschen dümmer geworden bin, hat so ein Freund gesagt: „Ich habe gehört, du rappst!“ Der hat das richtig glaubwürdig rübergebracht und ich so: „Aja na klar rapp‘ ich! Da hast du richtig gehört.“ Dann habe ich angefangen mit so Haus-Maus-Scheiße, aber nicht ernst genommen, weißt du? Und später, als ich das erste Mal inhaftiert wurde mit 15, da hatte ich auch ein bisschen mehr Zeit. Da habe ich Texte geschrieben und dann war ich das zweite Mal in Haft. Da ging es dann jeden Tag. Ich habe mir das so vorgenommen: Jeden Tag musst du was schreiben.“

Um die schiefe Bahn zu verlassen, um künstlerisch zu werden?

„Ja genau. Das war dann beim zweiten Mal Haft: Okay, ich muss jetzt mit Musik anfangen, weißt du? Ich habe gesagt: Okay, das ist gut, die Jungs feiern das alle, jetzt machst du nur noch Musik.“

Wie alt bist du?

„19. Ich werde im Dezember 20.“

Dann wirst du ja doppelt beschenkt?!

„Nein, ich feier‘ kein Weihnachten, aber… beschenkt? Ja!“

Beschenkt mit dem Leben?

„Bruder, ich habe mein bestes Geschenk schon bekommen. Ich habe meinen Vertrag, weißt du? Bruder, ich habe den Jackpot gezogen.“

Wann war das genau?

„Vor einem Jahr, im Sommer ungefähr war das. Da hat Abdi mich wegen der „Leck Sippi Bitch“ Handyaufnahme angeschrieben/angerufen und ich bin direkt einen Monat danach mit den Jungs auf Tour gegangen. Seitdem sind wir miteinander unterwegs.“

Wo warst du das erste Mal mit auf Tour?

„Bei der „AkupunkTour“. Celo & Abdi als Headliner, Olexesh war dabei, Hany war dabei, Veysel auch. Das war krass. Erste Tour, direkt alle zusammen, phoar, weißt du, was ich meine?“

War das so für dich ein Schubs ins kalte Wasser, oder bist du davor schon mal aufgetreten?

„Einmal in meinem Leben, das war auch beim Veysel Konzert, aber unabhängig jetzt von Celo & Abdi, die kannte ich da auch noch gar nicht. Ich hatte gedacht, vielleicht kann ich ihn ja ansprechen oder so was. Ich bin dort hin gegangen, habe Vorgruppe gemacht, aber da ging nix. Aber das war die erste Bühnenerfahrung.“

Wie ist das für dich live aufzutreten?

„Das ist mein Leben Bruder, das ist meine Arbeit, das ist krass. Wenn ich auf Bühne bin, dann ist das ein komplett anderer Film. Du hörst die Musik laut, du hörst deine eigene Stimme laut, du siehst wie die Leute reagieren. Und wenn die Leute normal gucken, versuchst du so viele Gefühle, Hass reinzubringen, damit du die Leute gewinnst.“

Falk hat dich anscheinend live gesehen und dann Instagram-Probs gegeben?

„Ja Mann. Wir waren in Hamburg, jetzt auf Boncanche Tour, und um ehrlich zu sein, wusste ich nicht mal, wer Falk Schacht ist, Bruder. Wir haben Besuch bekommen. Falk Schacht ist gekommen mit seinen zwei Sekretärinnen, das war vor dem Auftritt. Wir waren Backstage, haben gechillt und als ich dann fertig war, bin ich zurück gekommen. Auf dem Weg zum Backstage stand da Falk: „Digga du bist zu krass.“ Ich habe mich bedankt. Später erst wurde mir gesagt, wer das ist: Ey, das ist Falk Schacht, weißt du was ich meine? Der war der Erste, der sich mit HipHop beschäftigt hat, Fernsehn, MTV… Ich hab mir dann gedacht: Okay, Baba. Ich habe mich dann geschämt im Nachhinein. Scheiße Alter – ich kannte den nicht mal.“

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Kennst du dich in der Deutschrapszene gut aus?

„Ich kenn mich nicht richtig aus. Ich weiß halt das, was jeder in meinem Alter weiß, der HipHop hört.“

Was für anderen Deutschrap hörst du abseits der Musik aus deinem Camp?

„Ich höre kein anderes Zeug. Außer Xatar, Haze oder 187 und unsere Jungs halt, aber wen soll ich denn noch hören?“

Wie sieht es mit Feedback zu deinen bisherigen Tracks aus?

„Also viele feiern das. Die Jüngeren feiern das viel, merke ich. So im Alter 14, 15, 16, 17.“

Bist du gespannt was passiert, wenn dein Mixtape rauskommt?

„Auf jeden Fall. Also ich weiß ja, dass die Leute diese Trap-Sachen noch nicht ganz verstehen. Wenn ich mal ein Trap-Video hochlade, dann sagen die: „Der macht die Franzacken nach.“ Aber ich weiß, dass ich mich nicht so anhöre und deshalb freue ich mich umso mehr, dass mein Mixtape rauskommt. Jeder muss doch sein Ding finden, und ich glaube, das ist mein Ding. Also jetzt nicht genau dieses Trap, aber dieses Verrückte, so sein wie man ist. Viele haben ja auch Angst davor ihre Stimme zu verstellen, rumzutanzen und so, weil das dann dem Image schadet.“

Wie hast du herausgefunden, was dein Sound ist?

„Zu Beginn denkst du nicht: Das ist mein Sound, ich höre mich so an, weißt du, was ich meine? Weil das prägt dich ja von irgendwo. Und das hört sich meistens am Anfang immer danach an. Irgendjemand motiviert dich ja auch zum Rappen. Du guckst von dem ab, ist doch normal. Der Mensch guckt immer ab. Kein Kind kommt auf die Welt und kann alles selber machen.“

Was inspiriert dich?

„Wenn du in der Hood bist, bist du mit deinen Jungs. Diese Atmosphäre da, weißt du? Dann schreibst du diese Texte. Wenn du so Abfucks hast, prägt das auch deine Texte. Der Hass von deinen Freunden prägt dich. Die Musik muss authentisch sein.“

Wer waren deine Inspirationsquellen?

„Ganz am Anfang war es AZAD, Hanybal und Haftbefehl. Mit der Zeit wurde es immer mehr Haftbefehl, Celo, Abdi. Das war ja diese Welle und ich war genau… Meine Anfangszeit war genau am Anfang dieser Azzlack-Welle.“

…von der die 439er die Vorreiter waren…

„Zu Hany kann mir jeder sagen, was er will. Haus-Maus Rapper, dies das. Seine Texte sind seit Tag Eins die Authentischsten, die es in Deutschrap gibt. Weißt du, was ich bei Hany von Anfang an gefeiert habe? Der ist eigentlich gar kein Rapper richtig, weißt du, was ich mein? Der macht so nebenher, aus Spaß. Du merkst, den juckt das nicht mal. Weil, wenn du jetzt einer wärst, der Filme schieben würde, der sagt: „Ey, es geht jetzt an die Öffentlichkeit, vielleicht sagen die ich bin Haus-Maus Rapper, vielleicht sagen die so und so und so“, wenn du zu selbstkritisch bist, dann würde es sich nicht so anhören. Aber er hat einen Fick darauf gegeben. Der hat diesen Hass rausgelassen. Das ist das, was mich damals auch ein bisschen verrückt gemacht hat.“

Machst du dir Gedanken darüber, wie deine Musik bei den Menschen ankommt?

„Nein Mann. Wenn ich Texte schreibe, dann schreibe ich Texte. Ich stell mir vielleicht flüchtig die Frage, ob die das überhaupt verstehen. Weil viele verstehen es nicht. Ich mach ja nicht Musik für die, weißt du, was ich meine? Was wollt ihr jetzt hören? Ich mach jetzt bald mein Mixtape, was wollt ihr alles hören? Sagt mal eure Lieblingswörter, die ich reinpacken soll. Das ist meine Kunst, Bruder. Jeder Künstler muss sein Ding machen.“

Nimmst du dich als Künstler wahr?

„Ja, auf jeden Fall. Rappen ist ein Handwerk, aber ein Künstler ist der, der die Feinarbeit, die Schliffe macht. Der baut nicht nur einen Tisch, der baut dir einen Tisch mit Gravuren und so, Bruder. Marteria zum Beispiel ist ein richtiger Künstler, der ist kein Rapper, sondern ein Künstler.“

Bist du für die Bühne geboren?

„Okay Bruder, ich weiß nicht, ob es so ist. Das weiß nur Gott, aber das ist auf jeden Fall genau mein Ding.“

Hast du Bedenken, dass dich das Bekanntwerden deine Privatsphäre kosten kann?

„Scheißegal, Bruder. Wenn ich damit dick Patte mache, egal. Ich bin 19 Jahre alt, Bruder, was für Privatsphäre? Ich habe ja keine Frau oder Kinder. Ich bin 19 Jahre alt. Die Leute sollen doch wissen. Das ist kein Problem.“

Die erste Frage, die auf unserem Zettel steht: Wer kifft mehr? Hanybal oder du?

(lacht) „Wer jagt mehr, Bruder? Eine Katze oder ein Löwe? Boah, der Hany ist echt eine Turbine, das ist echt kein Spaß mehr.“

Wie bist du zur Musik gekommen? Ist deine Familie musikalisch sozialisiert?

„Nein, meine Familie ist gar nicht musikalisch. Mein Vater hört gar keine Musik, nur diese 1900-Zwieback iranischen Trauerlieder. Ich weiß nicht. Durch meine ältere Schwester vielleicht, größeren Bruder, Freundeskreis von Freunden. Ich weiß noch, wie ich in Stuttgart aufgewachsen bin, da hatte ich einen guten Freund, Christian. Ein kaputter Portugiese war das. Der hatte einen älteren Bruder, Davide, der war auch so ein Rabauke damals. Wir haben immer geguckt, was der macht, weißt du, was ich meine? Von daher vielleicht.“

Bist du auch ein Rabauke? Als wir vorhin ins Mixtape gehört haben, hast du gerappt, dass du im Bau saßst. Warum?

„Sammelverfahren… Kleinigkeiten, die sich gehäuft haben und dann kam noch was dazu. Mehrere räuberische Erpressungen. Die meisten davon war ich nicht mal selber, aber egal. Mit 15 direkt vier Monate rein. Da habe ich außerdem meinen Namen bekommen. Kennt ihr Shamsedin von Xatar? Ich habe gearbeitet im Bau in der Schreinerei, aber der Chef hat mich da rausgeschmissen, der Hurensohn. Wenn du arbeitest, bist du im kurzem Flügel, da gibt’s so zwanzig Zellen, die sind für Arbeiter und Schüler. Die haben auch eigene Freizeiten. Aber wenn du nicht arbeitest, hast du 23 Stunden Zelle und bist im langen Flügel.

Ich bin vom kurzen Flügel in den langen Flügel gekommen, da habe ich auch O.G. kennen gelernt. O.G. war mein Zellennachbar. Wir haben dann nachts am Fenster geredet, geredet, geredet. Jemand, der frisch reingekommen ist, hat über den neuen Song von Xatar gesprochen, den er gerade released hat, dieses „Interpol“. Wir haben nachts geredet und haben gesagt: Ist bestimmt krass und so. „Alles oder Nix“, das alte Album war schon krass, miau, miau, miau und auf einmal hat jemand von unten gesagt: „Korrekt Jungs, ihr seid stabil!“ Und hat so gelacht, „HaHaHa.“ Wir haben gesagt: „Wer bist du?“ Und er hat gesagt: „Ich bin Shamsedin.“ Wir haben gefragt: „Wer ist das?“ Und er hat gesagt: „Ich bin Samy von Xatar.“ Ich bin durchgedreht.

Ich wusste ja, dass der im sechsten Stock ist, aber ich wusste nicht, dass der direkt unter mir ist. Ich bin durchgedreht, aahhh Jackpot. Der hat gesagt: „Schick mir ein Seil runter.“ Da gibt es ein normales Gitter und kleine Fliegengitter noch davor, damit du nichts rausschmeißen kannst, nix zum pendeln, weißt du? Ich habe direkt von den Arbeitsschuhen meine Schnürsenkel zusammengeschnürt, die von den anderen Schuhen auch noch. Ich schick ihm das Seil runter. Ich frage mich: Was macht der jetzt da rein, was gibt der mir jetzt, weißt du, was ich meine? Ich zieh das hoch. Er sagt so: „Scheiße, ist runtergefallen“ und ich dachte mir so: Scheiße… Vielleicht schickt der mir gerade so einen Stick-Mick, irgendwas. Hör zu, der sagt: „Scheiße, ist runtergefallen.“ Ich sag: „Was machen wir?“ Er sagt: „Plan B.“ O.G. fragt: „Was ist Plan B, was ist Plan B?“ Und er sagt: „Schick noch mal runter.“

Ich schick runter und zieh hoch und dann hat der so ein Stück Haschisch hochgeschickt mit so einem Zettel drumherum: „Für Nimo.“ Wir haben geredet, er hat paar Mal noch Hasch hochgeschickt und dann habe ich O.G. nachts vorgerappt. Samy hat gelacht und gefragt: „Wie heißt du?“ Und ich hatte keinen Namen. Er hat gesagt: „Nenn dich Nimo. Wenn ich rauskomme, höre ich deine Mucke, aber nur, wenn du dich Nimo nennst.“ Und ich so: Auf jeden Fall, motiviert. Der hat zu jedem Namen ein O drangehängt. Von daher kam der Name. Dann bin ich rausgekommen und habe mein erstes Handyvideo gemacht.“

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Und dann noch mal rein?

„Ja. Ein halbes Jahr später, für ein Jahr. In ein anderes Gefängnis. Erst mal U-Haft in Stammheim. Das zweite war Adelsheim. Das war dann Strafhaft für Jugendliche.“

Und da warst du dann 17?

„Ich bin reingekommen in den Bau mit 15. Bin da 16 geworden und rausgekommen. Halbes Jahr später Bewährungswiederruf. Wieder mit 16 rein, im Bau 17 geworden… Zweimal Silvester und zweimal Geburtstag im Knast verbracht, richtig ekelhaft. Ich sag dir ganz ehrlich, hätte ich Samy nicht getroffen, wer weiß…“

Wäre das eine Option gewesen bei Alles Oder Nix zu unterschreiben? Bestand da der Kontakt?

„Ich habe mit Samy keinen Briefkontakt mehr gehabt, als ich rausgekommen bin. Ich habe, glaube ich, seinem Bruder einmal geschrieben, aber dann nicht mehr. Keinen Kontakt gehabt.“

Mit O.G. hast du auch im Knast angefangen Musik zu machen?

„Ja. Ich bin rausgekommen, und als wir uns dann wieder in Feuerbach wiedergetroffen haben, haben wir gechillt. Meine Musik hat sich dort auch entwickelt mit ihm zusammen. Also ich war intensiv 24 Stunden zusammen mit ihm. Dann habe ich immer zu ihm gesagt: „Fang mal an Musik zu machen“ und er hat gesagt: „Niemals! Ist gar nicht mein Ding.“ Ich hab gemeint: „Doch man du hast so ekelhafte Aussagen. Wenn du die reinbringst…“ Der hat auch viel Musik gehört, der hat so ein musikalisches Ohr, weißt du? Er hat zu mir immer gesagt: „Das hört sich nicht gut an, nimm diesen Beat, nimm diesen Beat.“ Dann der kommt raus, ruft mich auf einmal an: „Ey Bruder, ich habe angefangen zu rappen.“ Krass! Baba! So vor drei, vier Monaten. Der steigert sich, steigert sich, steigert sich.“

Wird er auf deinem Tape drauf sein?

„Der war hier für zwei Tage. Er hatte Ausgang. Auf jeden Fall machen wir ein Lied zusammen auf meinem Tape.“

Man hat bei deiner Performance das Gefühl, dass du dich im Flow befindest. Schreibst du Texte aus einem Guss, einfach runter?

„Nein, das ist unterschiedlich. Ich sperr‘ mich auch nicht ein um eine bestimmte Uhrzeit und sage: Jetzt mach ich Musik. Ich höre Beats laut, ich höre Beats mit Kopfhörern, ich höre sie die ganze Zeit, schrei rum. Manchmal fang ich auch was an und merk dann so nach 10-12 Bars ich schreib nichts mehr, was dazu passt. Das Feeling ist weg. Dann lass ich es auch, bis ich wieder reinkomm‘. Ich bin auch selbstkritischer geworden. Mir gefällt nicht mehr alles.“

Wie hast du dir im Bau die Zeit vertrieben?

„Als ich im Knast war, habe ich so viel Musik gehört. Ich hatte gar nichts anderes zu tun. Mein Vater hat mir so einen CD-Player reingeschickt. Jeder hat Alben, jeder bestellt Alben, Alben sind im Umlauf oder Kassetten. Da gibt es so einen Raum, AKR. Das ist der Knastsender, weißt du? Das ist ein Knastsender im Fernseher. Und auf dem PC, das ist der einzige PC, an den ein Häftling dran darf, da ist alles drauf. Alle Lieder seit es diesen Knast gibt, alle Lieder, die jemals in den Knast reingekommen sind. Alles… Oldschool-Moldschool, alles. Und da erst habe ich mich so richtig mit Oldschool befasst, weißt du was ich meine? Leider war das erst zu spät, aber egal, Mann. Da hat es mich geflasht.

Ich habe davor immer Tupac gehört, nur Tupac. Ich habe Biggies Flow gar nicht verstanden. Die erste CD, die ich von ihm gehört habe, war „Notoriuos B.I.G. Greatest Hits„. Aller, da kam dieses „Notorious Thugz„. Ich bin behindert geworden, Bruder. Ich hab mir gedacht, was für ein krasser Typ. Das ging immer weiter, immer weiter, Bone Thugs ‚N‘ Harmony, bam bam bam bam. Nate Dogg. Auch sehr krass, Mann. Das habe ich auch totgehört. Daher kommt vielleicht auch dieses Singen bei mir. Brate hat zu mir gesagt: „Du erinnerst mich an Bone Thugs ‚N‘ Harmony.“ Da habe ich vorher nie dran gedacht.“

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Wo genau aus Stuttgart kommst du her? Bist du ein Stadtkind?

„Leonberg – Vorstadtkind. Ich hab in Korntal gelebt bis zur dritten Klasse, dann sind wir nach Leonberg gezogen.“

Woher kommen deine Eltern? Bist du in Deutschland geboren?

„Ich bin in Karlsruhe geboren, meine Eltern kommen beide aus dem Iran, beide Flüchtlinge. Mein Vater war politisch aktiv und deswegen kann ich auch niemals in die Heimat zurück. Mein Vater war damals so alt wie ich, 21-22 Jahre alt. Der ist politisch aktiv geworden, und die wollten ihn entführen/töten-mäßig. Seine ältere Schwester hat ihm damals so umgerechnet 50 Mark gegeben. Und damit ist er rüber. Der hat sich hier was aufgebaut, ist hergekommen und hat studiert.“

In was für einer Umgebung bist du aufgewachsen? Wieso ist Hass und Wut in deinen Texten?

„Du wirst doch von jeder Seite gefickt, ist doch egal, was du machst. Zumindest in meinem Alter, in meiner Lage, wo das war. Nicht jeder hat ja ein abgefucktes Leben, hat Probleme. Ich sag ja nicht, ich hatte das schlimmste Leben. Es gibt Leute, die haben ein viel, viel schlimmeres Leben. Mann, im Gegensatz zu denen, geht es mir perfekt. Ich weiß auch zu schätzen, was ich habe. Aber manchmal steckst du in einer speziellen Lage, auch über längere Zeit. Zum Beispiel: Was ist eine Bewährung? Du bist an der Leine. Du bist zwar nicht im Knast, aber du bist an der Leine. Du musst da hin gehen, du musst das machen. Du bist einfach an der Leine, Mann. Manchmal schiebst du Abfucks, weil du weißt, du bist an der Leine. Und dann hast du auch noch kein Geld, dies das.

Es gibt für Außenstehende zwei Arten von Straße: Einmal Straße, jemand ist ein Macher, ist nicht 24 Stunden unterwegs, aber macht sein Geld durch die Straße, auf der Straße. Und es gibt einmal die Leute, die 24 Stunden original auf der Straße sind. Egal ob es regnet, die Sonne scheint, egal was und die auf der Jagd sind, weißt du, was ich meine? Die draußen sind, sich den Arsch abfrieren, Joints rauchen und sich fragen, warum sind sie überhaupt draußen. Aber nach Hause gehen können sie auch nicht. Von diesen Abfucks, von denen erzähle ich.

Ich sag nicht, ich habe Kilos gemacht, ich hab dies gemacht, ich hab das gemacht. Ich erzähle nur von den Abfucks, ganz normale Abfucks. Du hast kein Geld, Bruder. Du willst nur deine Ruhe haben, aber du kriegst sie nicht. Ich glaube viele, haben dieselben Abfucks wie ich, wie gesagt: Nicht jeder ist ein Xatar. Nicht jeder ist ein Typ, von denen die Gangstarrapper erzählen. Viele wollen vielleicht so werden, aber nicht jeder ist so einer. Viele sind einfach die, die sich schämen von ihren Eltern Geld zu nehmen, die draußen sind, um anders Geld zu machen. Kleinigkeiten. Rabauken, Gauner, Abfucks.“

Schreibst du viele Songs?

„Ich bin faul, Digger, weißte, das ist das Problem. Ohne Syn würd’s, glaube ich, noch viel länger dauern. Zum Glück ist er da, Gott sei Dank. Er macht mir auch immer diesen Druck. Ich weiß jetzt zum ersten Mal, wie ich mir Strukturen setze. Ich habe davor immer einen 16er geschrieben und der war dann da. Bis ich hier hergekommen bin, habe ich noch nie eine Hook geschrieben, ich konnte es nicht. Ich wusste nicht, wie das geht. Ich habe mit Alex zwei, drei 16er aufgenommen, Syn hat sich das angehört und gefragt: „Was ist das, Digger? Das ist erstens unsauber und zweitens nur ein 16er. Zweiten Part hast du nicht, du hast keine Hook.“ Da hat das erst angefangen. Ich lerne hier. Und durch diesen Druck lerne ich noch schneller, das ist das Gute.

Ich glaube, wenn dieses Mixtape fertig ist, mache ich erstmal so auf OK, puhh, dieser Druck ist weg. Und danach kann ich mir schön eine Struktur setzten, was jetzt, tak tak tak. Und auf das freue ich mich noch viel mehr. Weil in diesem Tape sind noch alte Sachen, die ich raushaue. Damals habe ich Handyvideos gemacht, und die Leute haben nachgefragt, weißt du? Das sind alte Sachen und ich will, das man in diesem Tape auch die Entwicklung sieht, von dem Alten zu dem Neuen. Wenn das fertig ist, kann ich mich zurücklehnen und danach ein komplettes Ding machen. Der Text zu „Bitter“ ist drei Jahre alt, und das Video haben wir in vier Stunden gedreht. Wir haben am Abend davor Bescheid bekommen, weißt du, was ich mein‘? Und guck‘ mal, wie das ankommt! Krank! Ich hätte das nicht gedacht. Die feiern das Alte, was ist mit dem Neuen? Ich bin besser geworden.“

Fühlst du dich wohl vor einer Kamera?

„Auf jeden Fall. Durch die Stimme kann man ja hören, ob jemand fühlt, was er rappt. Aber wenn du es siehst, ist das noch mal was ganz anderes. Ich kann dein Lied hören, und du kannst übelst krass abgehen, und ich fühl das mit, aber wenn ich dein Video sehe, wie du so voll steif bist… weißt du, was ich meine? Ich will sehen, dass du es fühlst.“

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Ist Nimo eine Kunstfigur?

„Auf keinen Fall. Wenn ich mich jemandem vorstelle, dann sage ich auch Nimo. Nima sagt nur mein Vater. Meine Leute nennen mich alle Nimo. Das ist eine Person, Bruder. Es gibt keine zwei Personen. Es gibt nicht: Okay, ich steh auf, jetzt bin ich der. Immer der gleiche Typ.“

Du lebst seit einigen Monaten in Frankfurt? Fühlst du dich hier wohl?

„Sehr. Auf jeden Fall. Ich bin jetzt ein halbes Jahr hier. Ich habe meine Brüder, die sind für mich da. Das sind alles Habibis, die haben mich hier herzlich empfangen, geben mir alles, was ich brauche, unterstützen mich, was ich auch sehr zu schätzen weiß. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, mit viel Haze, Haze Plus Plus, mit Baba Haze. Ich muss wieder einen bauen, Habibis. Ich bin auch aus dem Grund hier her gekommen, Musik zu machen. Ich wollte nicht 200 Kilometer weiter weg sein, mit all diesem Geficke. Draußen irgendwo Texte schreiben. Wennschon, dennschon, weißt du, was ich meine?“

Ist Kiffen Teil deines Lebens? Du hast einen Song über Sucht gemacht?

„“Nie wieder„, aber in dem Song geht es darum, dass ich durch die Sucht nie wieder kriminell werde. Du fängst an mit einer Probe, weißte. Aus einer Probe wird nur am Wochenende, Wochenende wird verlängertes Wochenende für dich. Danach schwänzt du, dann bist du eh schon Zuhause, dann wird’s in der Woche, dann wird’s jeden Tag und auf einmal bist du süchtig und dann wirst du kriminell. Warum? Weil Taschengeld von Mama und Papa kannst du nicht nehmen, das geht nicht, weißt du, du schämst dich. Aber ich glaube, das ist der Kreislauf bei jedem, Bruder. Wenn du dir es einteilen kannst, bist du nicht süchtig, so heute-kiff-ich-nicht-mäßig. Ein Raucher teilt sich auch nicht ein, heute eine Zigarette, morgen keine Zigarette, weißt du? Wenn du süchtig bist, ist das bei jedem derselbe verfickte Kreislauf. Wenn du Patte hast, dann hast du Patte.“

Was für Süchte hast du noch?

„Ich bin schon sehr, sehr lange süchtig von der Musik. Schon seit ich klein bin. Ich habe Kindervideos, da war ich drei Jahre alt oder so. Ich hatte so eine Sonnenbrille an und so ein kleines Plastikmikrofon. Das war mein Lieblingsspielzeug damals, hat meine Mutter gesagt. Ich war auf dem Esstisch und habe Back Street Boys gesungen. Ich habe immer gerne Musik gehört. Musik – beste. Wenn ich abgefuckt war – Musik gehört. Wenn ich gut gelaunt war – Musik gehört. Ich bin so ein Typ, bei mir könnte die ganze Zeit Musik laufen, das würde mich nicht stören. Also wenn gute Musik laufen würde, das würde mich nicht stören. Aber auch nicht die ganze Zeit laut, immer angemessen.“

Du bist jetzt Member der „Asozialen Kanacken“. Was würdest du einem PEGIDA-Anhänger entgegnen, wenn er sagt: „Alle Ausländer sind gleich?“

„Dann hat der Typ recht. Ausländer sind Menschen, und Menschen sind alle gleich. Da hat PEGIDA recht (lacht).“

Was hast du für die Zukunft geplant. Gibt es da schon Pläne?

„Ich will diesen Gesang mehr reinbringen. Aber nicht so, wie man’s kennt. Mit meiner Stimme. Mit fünf verschiedenen Stimmen ein Lied machen, wenn’s sein muss. Aber ohne Autotune, ohne Effekte. Für nächste Projekte habe ich schon Beats und Vorlagen, aber damit will ich mich jetzt nicht zu sehr beschäftigen, weil ich weiß, dass mich das ablenkt.“

Was ist dein Anspruch an deine Musik?

„Da muss was geschaffen werden. Ich sag ja: Ich will nicht in Fußstapfen treten, ich will eigene Spuren hinterlassen. Ich will, dass die Leute sagen: Das ist ein Künstler. Ich will selber irgendeine Art reinbringen, selber etwas reinbringen, um ein Statussymbol zu werden, weißt du, was, ich mein‘?“

 

Checkt „Habeebeee„!!

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PS: Danke an die JUICE und Laurens Dillmann, über die der Kontakt zu Nimo zustande gekommen ist. Teile dieses Interviews wurden in der Ausgabe #172 für den HipHope Artikel verwendet.

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