FRANKFURT, INTERVIEW, MUSIK

Mädness & Döll – Die realste Crew bei uns im Interview.

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Mädness & Döll – zwei Brüder und Hessen, die allen Deutschrap-Liebhabern aus dem Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus ein fester Begriff sind. Bisher als Solo-Künstler bekannt, releasen die Beiden am 10. März ihr erstes gemeinsames Album „Ich und mein Bruder“.

Ich möchte diesen Bericht jedoch mit einem kleinen Zeitsprung beginnen: Oktober 2016, Samstagnacht im Frankfurter Gallusviertel. Hier findet im Horst ein Event des KAOS DJ KLUB gemeinsam mit den Brüdern statt. Der Laden brennt, als Mädness und Döll zu den Jungs hinter das DJ-Pult treten. Es werden nicht nur Tracks ihrer 2014 erschienenen Solo EPs „Maggo“ und „Weit entfernt“ zum Besten gegeben, das Publikum bekommt bei gemeinsamen Tracks auch einen kleinen Vorgeschmack auf das gemeinsame Projekt von Marco und Fabian. Vier Monate nach diesem Abend durfte ich mir nun das neue Album „Ich und mein Bruder“ anhören und mich mit den beiden Hessen über dessen Entstehung unterhalten.

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„Ich und mein Bruder“ hört sich nach einer typischen Straßenfloskel an – egal ob Bruder, Brudi oder Bruh – hier sind die engsten Freunde gemeint. Beim Rap-Duo Mädness & Döll ist das anders. „Meine Crew ist kein Zufall…“ rappt Mädness im gleichnamigen Titeltrack des Albums – „…uns liegt dieser Scheiß in der Blutbahn“, vollendet Döll den Satz.

Was bedeuten die Begriffe „Famile“ und „Bruder“ für euch?

Mädness: „Puh, ich glaube erstmal, wie das wohl viele sehen – Familie ist extrem wichtig und in unserem Fall ist das Wort Bruder sehr wichtig – es ist zum einen Teil unserer Arbeit durch das gemeinsame Album gerade und bedeutet natürlich auch, dass wir uns sehr nahe stehen.“

Die Platte präsentiert zwei Brüder, die in den letzten Jahren vieles erlebt haben und ihre Zuhörer aber vor allem sich selbst tief in ihr Inneres blicken lassen. „Nenn mich ruhig Egoist, weil ich das hier für uns mach – ich schreib für die Familie und nicht für die Kundschaft“ rappt Döll im gleichnamigen Titeltrack des Albums „Ich und mein Bruder“.

2014 erschienen Mädness und Döll zuletzt durch ihre beiden Solo-EPs auf der Bildfläche des deutschen HipHops. Mädness scheint mit der „Maggo“-EP das Kapitel „Beruf Rapper“ entspannt zu schließen. „Ist auch wurst. Kids halten mich für ’nen uralten Knacker, während Rapmedien mich wieder zum Newcomer machen. Ist auch cool, können sie machen. Ich bin cool mit der Sache. Ich muss es nicht mehr auf’s Juice-Cover schaffen.“, rappt er im gleichnamigen Track. Dölls  „Weit entfernt“-EP hingegen präsentiert einen jungen Rapper, der gerade erst anfängt, sich die Seele aus dem Leib schreibt und weit hinaus will. Bis auf ein paar Gastauftritte wurde es im Anschluss an die EPs jedoch sehr ruhig um die beiden.

Gemeinsam erschaffen von zwei Brüdern, die neben astreinen Rap-Skills und der gleichen DNA auch viele Erlebnisse in der Vergangenheit teilen, liefert das Album die Gründe für die knapp dreijährige Abstinenz der beiden. Die Tracks wirken oftmals wie offene, ehrliche und zum Teil schonungslose Gespräche, in welchen ernste und zum längst überfällige Themen besprochen werden. Diese Notwendigkeit und Ehrlichkeit verleihen der Emotionalität und gelegentlichen Schwere der Thematik Stärke, Antrieb und vor allem Optimismus, der im zuletzt veröffentlichten Track „Alright“ auf den Punkt gebracht wird.

Wie wichtig war es für euch, das alles nieder zuschreiben und raus zuhauen?

Mädness: „Sehr wichtig. Weil das einfach Sachen waren, die von uns beiden in irgendeiner Art besprochen werden mussten. Wir haben einfach das Glück, dass wir Rap als Ventil nutzen können. So abgedroschen es klingen mag, aber da konntest du einfach die komplette Sicht über bestimmt Dinge, Erfahrungen und Erlebnisse von den letzten Jahren super verarbeiten. Es war, glaube ich, echt so eine Verarbeitungssache für uns.“

Gibt es einen Grund, warum ihr erst jetzt als Duo zusammenarbeitet?

Mädness: „Gute Frage, also in erster Linie, weil wir nie ein Album zusammen geplant hatten und das eigentlich auch bei dem Album nicht der Fall war. Also es ist viel mehr entstanden, als dass es irgendeinen Plan gab. „Unabhängig“ war der erste Song für das Album, der zusammen entstanden ist  – bei dem haben wir gemerkt, dass es relativ gut funktioniert. Wir haben dann ein paar Tage später noch einen Song geschrieben, waren dann in Thüringen und standen dann auf einmal da mit einem gemeinsamen Album, ohne dass es am Ende geplant war.“


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Im thüringischen Nirgendwo mieten die Brüder sich mit Produzent Torky Tork ein Haus. Ein Tapetenwechsel muss her, um sich ohne äußere Einflüsse ganz auf die Entstehung neuer Tracks zu konzentrieren.

Wie kann man sich denn das gemeinsame Arbeiten zweier Brüder an einem Album vorstellen?

Mädness: „Zum Großteil, muss ich sagen, ist das Arbeiten mit Spaß verbunden. Natürlich streitet man sich dann auch mal, was einen Song oder die Arbeit an einem Song angeht, aber es war alles in allem eigentlich eine sehr brüderliche Zusammenarbeit.“

2016 war ein Jahr des Umbruchs für euch. Nach dem Aufenthalt in Thürungen folgte der Umzug nach Berlin und des Signing bei FOUR Music. Was hat sich für euch seitdem maßgeblich verändert?

Mädness: „Verändert hat sich in dem Sinne nur die Intensität, was die Arbeit an Stücken angeht, weil wir einfach die volle Zeit zur Verfügung haben, um an Songs oder an der Platte zu arbeiten.“

Döll: „Im Laufe der Zeit hat sich unser Umfeld eigentlich nicht wirklich verändert, sondern ist einfach gewachsen. Wir haben mit den Leuten, mit denen wir in Berlin zusammenarbeiten – egal auf welcher Ebene – das eigentlich für uns perfekte Umfeld gefunden. Das einzige was sich wirklich verändert hat, ist dass für uns die Abläufe besser sind. Der Umzug nach Berlin hat einfach die Arbeitswege irgendwo kürzer gemacht. Das ist eigentlich das einzige.

Bereits in der Vergangenheit haben Mädness und Döll eng mit Torky Tork, Dexter, Sterio, Yassin und Gibmafuffi zusammen gearbeitet. Diesen Jungs bleiben die beiden auch bei weiterhin treu. Neben neuen Tracks und Beats stolpert man auf dem gemeinsamen Album hin und wieder über Hints auf alte Tracks.  Zum Beispiel werden der „Mann im Mond“ (Audio88 & Yassin mit Döll und Mädness – Prod. Torky Tork / Cuts Breaque) oder „Weit entfernt“ (Döll – Prod. Dexter) durch den Satz „glaubst du, ich geb ’n Fick, wenn jemand sagt, das hier hat Pathos?“ zitiert.

Auf dem neuen Album rappt Döll „und alles ist gut, ich häng immer noch mit den selben fünf Jungs ab“  – welche Rolle hat es für euch gespielt, dass genau diese Jungs auch beim neuen Album mit am Start sind?

Mädness: „Immens wichtig. Ohne die Leute und das Umfeld, mit dem wir die Platte gemacht haben, wäre die so nicht entstanden. An erster Stelle sind TorkyTork und Yassin zu nennen – TorkyTork zum einen, weil er den Großteil des Albums produziert hat und Yassin als Executive Producer. Das war eigentlich schon immer unsere Arbeitsweise gewesen, dass wir uns nicht von irgendwo Produzenten herholen, sondern mit Produzenten zusammenarbeiten, die sowieso in unserem Freundeskreis sind. Also definitiv mit Leuten, zu denen man eine persönliche Bindung hat und mit denen man dann zusammen Songs entstehen lässt.“

Das Resultat ist ein Album, das Deutsch-Rap hochleben lässt. Man merkt den Brüdern ihre Passion, das sichere Gespür für Hooks und für die eigene Raptechnik und die des anderen an. Neben den Stieber Twins, die im Titeltrack mit “Ich und mein Bruder, das zweite Weltwunder…” zitiert werden, sind Mädness und Döll wohl das bedeutendste Brüderpaar der deutschen Rap-Historie. Wie gut die beiden harmonieren, wird auf dem Album auf so vielen Ebenen hörbar. Mädness und Döll bilden eine instinktive Symbiose, behalten jedoch ihre charakteristischen Raptechniken bei. Sie ergänzen sich perfekt, vollenden die Sätze des anderen, pushen sich gegenseitig und fangen sich gegenseitig auf.

Und was feiert ihr grade privat?

Mädness: „Letzte Woche war für Rap die beste Woche seit langem. Momentan hör ich das Morlock Dilemma Album und das neue Roc Marciano Album „Rosebudd’s Revenge“ – das sind beides super Alben.“

Juice Magazin Cover, Album Release, Tour – wie sehr freut ihr euch über all das?

Döll: „Natürlich sehr! Weil es unsere erste gemeinsame Tour ist. Das ist ein ähnliches Gefühl wie das Juice Cover, glaube ich.“

Mädness: „Glaub ich auch. Obwohl das Juice Cover irgendwo immer noch fast unreal und noch gar nicht richtig angekommen ist.“

Was erwartet denn die Leute auf der Tour? Special Guests? Krasse Sachen?

Döll: „Es wird natürlich Special Guests geben und total krasse Sachen wird es auch geben. Wir sind natürlich jetzt gerade für die Tour parallel zur Promo in Planung und wir haben uns da auf jeden Fall gut was überlegt. Ich glaub, das wird eine geile Tour.“

Mädness: „Glaub ich auch. Also wir sind ja sonst nicht so der Freund von Superlativen, aber ich würde schon sagen, dass das weltweit die beste Tour wird.“

Nachdem ich frage, was KIZ wohl zu diesem Statement sagen würde, verabschieden wir uns laut lachend und ich kann abschließend nur noch zu sagen, dass ich mich sehr auf die bevorstehende Tour freue. Der hessische Tourstopp wird am 22.04. im Wiesbadener Schlachthof sein.

Ich und mein Bruder – ein Vertrauensbeweis, Krisenbewältigung der Schritt nach vorn zu neuen Zielen und Perspektiven sowie eine Hommage an den einen HipHop, den HipHop zweier Brüder.

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