INTERVIEW, MUSIK

Musikmanager Marc von SoULuvMuziq bei uns im Interview

SoULuvMuziq

Bekanntermaßen floriert Frankfurts Musikbusiness nicht erst seit gestern. Neben den ganz Bekannten gibt es auch eine Reihe Musikschaffender, die zwar nicht im ganz großen Scheinwerferlicht stehen, aber doch für Furore sorgen – teilweise auch eher international als lokal. Einer von ihnen ist Marc Liebe & wir haben uns mit ihm unterhalten.

Marc ist Gründer der Rüsselsheimer Künstleragentur und des Labels SoULuvMuziq. Dort ist er als Musik- und Labelmanager unterwegs. Hier unser Interview.

Für all die Jungspunde da draußen, die coole Jobs haben wollen: Wie kommt man dazu, Musikmanager zu werden?

„Nun, das war eigentlich bei mir erstmal nicht geplant. Ich bin vom HipHop-Fan, Hobby-Breakdancer und Hobby-Rapper irgendwann zum semiprofessionellen DJing gelangt. Dann kam Musikjournalismus hinzu, unter anderem für rap.de, BOUNCE, splash!Mag, später dann auch eigene Veranstaltungsreihen sowie eine Anstellung als Booker in Darmstadt. 2011 hab ich dann mit Kris Santiago eine Plattform für Disco-Liebhaber, NDYD, gegründet und 2014 dann das dazugehörige Label (NDYD Records), das ich Ende 2016 verlassen habe. Kurz vor der NDYD-Labelgründung stieß ich in einem NDYD-DJ-Mix auf einen Künstler namens Mogul. Sein Sound war überragend und sehr speziell. Eine Mixtur aus Kaytranada, Kanye West und Giorgio Moroder. Da ich gesehen habe, dass dieser in Berlin gewohnt hat, wo ich zu dem Zeitpunkt ebenfalls ansässig war, haben wir uns bei Mercan zu feiner türkischer Hausmannskost verabredet. Kurz darauf dachte ich mir, man könnte ihn doch managen und ihm vielleicht so unter die Arme greifen. Kris sah das auch so, und somit konnten wir unseren ersten, gemanageten Act bei NDYD begrüßen.“


MOGUL
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Cool. Du wurdest also quasi zu deinem Ziel von selbst geführt – ähnlich wie bei uns. Hast du dann noch etwas Spezielles dafür studiert?

„Tatsächlich habe ich Soziologie studiert und abgeschlossen (die Magisterarbeit beschäftigte sich – no joke – mit Haftbefehl, Anm. von uns). Aber die Popakademie in Mannheim bietet sowas tatsächlich an. Ich hab mir das selbst beigebracht beziehungsweise lerne immer noch dazu.“

Was macht SoULuvMuziq genau und wieviele Leute arbeiten bei dir?

„SoULuvMuziq (gesprochen „So You Love Music“, Anm. von uns) ist eine Künstleragentur mit Schwerpunkt auf Künstlermanagement. Daneben fungiert es in Zukunft vermehrt als Musiklabel und soll auf lange Sicht ebenfalls einen Musikverlag beheimaten. Zusätzlich biete ich noch Musik Consulting für junge, ambitionierte Musiker an, die sich noch nicht so ganz in den Wirren der Musikindustrie zurecht finden, denen Begriffe wie „Royalties“ und „Verwertungsgesellschaften“ nichts sagen oder die Beratung zu Verträgen, Branding, Social Media, Marketing und PR brauchen. Aktuell bin ich noch alleine, aber ich arbeite viel mit anderen Managern, Labels, Verlagen und Agenturen zusammen.“

Du managst ja mittlerweile drei Künstler. Zwei davon aus Rom. Wie kam es dazu?

„Mauro (MadD3E) hat irgendwann mal eine Promo von seinem Remix von „The Cool Kids“ geschickt. Das Ding hatte damals nur ein paar hundert Plays auf SoundCloud, war aber in meinen Ohren ein Hit. Also fragte ich ihn nach Rücksprache mit Kris, ob wir das über NDYD veröffentlichen können. Als freien Download, da ich mir dachte, dass wir das benutzte Vocal nicht klären können. Ich habe damals angenommen, dass das ein 90iger RnB-Track war, den er einfach effektiert und gepitcht hat. Mauro meinte dann, dass sein Kollege BVRGER den Track selber eingesungen und geschrieben habe. Ich ließ mir weitere Sachen der Jungs schicken, sah die Diskrepanz zwischen Plays und Qualität und hab‘ sie dann gefragt, ob sie nicht zu uns ins Management kommen wollen. Ein paar Gespräche später haben sie dann eingewilligt. Zweifaches Glück, ist der Track doch auf Spotify durch die Decke gegangen.“


BVRGER
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MADD3E
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Allerdings – bei aktuell 1,5 Millionen Plays ist die Redewendung ja noch sehr verhalten. Wir kam es denn zu dem Erfolg des Tracks? Besonders viel Marketing-Geld?

„Tatsächlich nicht. Das Ding ist mit sehr wenigen Mitteln viral bei Spotify gegangen. Wahrscheinlich haben wir mit unserer In-House PR einfach die richtigen Tastemaker gefunden, und so war das Ding kurzerhand in den Viral Charts auf #5 weltweit, auf #2 in UK und #10 in Deutschland. Danach bekam ich Mails und Anrufe von einem Großteil der Majorlabels und –verlage aus England wie BMG, Warner, Universal und Columbia – und kurzum saß ich im Flieger nach London. Lustigerweise hatte ich ein paar Tage zuvor, bevor der Hype losging, meinen Job als Marketingmanager in Leipzig verlassen.“

Ist das Ganze dann so schnell rentabel geworden, dass du davon leben kannst?

„Stellenweise. Das kommt mit den Deals, die man abschließt. Wir haben bisher alle Deals abgelehnt oder haben noch niemanden gefunden, der unsere Vision teilt und den nötigen Eifer an den Tag gelegt hat, dass wir uns wohl fühlen würden. Demnach ist man hier auf Verkäufe, Streams und Auftragsarbeiten der Künstler angewiesen, da man als Manager prozentuell an deren Einnahmen beteiligt ist. Andererseits ist man selbst dafür zuständig, dass Aufträge reinkommen.“

Was machst du als Musikmanager den ganzen Tag und was sind deine Hauptaufgaben?

„Emails schreiben, telefonieren, Sachen koordinieren und abnicken, Strategien erstellen, die Künstler bei Laune halten, Deals verhandeln, Deals suchen, Musik hören. Manager sind da auch sehr verschieden. Zwei Kollegen von mir in UK betreuen gemeinsam einen Künstler. Einer betreut eher den kreativen Prozess, geht mit dem Künstler ins Studio, hängt mit ihm auf Parties rum. Der andere kümmert sich um das Organisatorische. Ich mache quasi beides.“

Ist es schwierig, seine Künstler zu betreuen, wenn sie alle an verschiedenen Orten sind?

„Teilweise ja, da man vor Ort und im direkten Gespräch anders agieren kann. Aber dank Internet, Skype & Co. ist das mittlerweile sehr unproblematisch. Da kann man dann auch abends um 21:00 Sachen mit Los Angeles und New York besprechen. Ich hatte im Juni 2016 den Entschluss gefasst, meine Wohnung zu kündigen und meinen Wohnsitz quasi wöchentlich zu wechseln. Eine Woche in Rom, ein paar Tage in London, nach Berlin, Frankfurt, mal nach Amsterdam. Wenn man ohnehin ein Faible für Reisen hat, ist das ein guter Weg. Und arbeiten kann ich von überall aus. Aktuell hab ich mich aber mal seit ein paar Wochen wieder im beschaulichen Rüsselsheim niedergelassen.“

In welchem Land wird eure Musik besonders gefeiert?

„Wir sind in jedem Falle eher international unterwegs als in Deutschland und Italien, was wir aber gerne ändern wollen. Hierzulande haben wir es einige Male ins Radio geschafft, bei 1LIVE, YOU FM, BR Puls, Radio Hamburg, um nur einige zu nennen. Die USA sind ein starker Markt für uns, UK, Schweden, Norwegen, Frankreich, Kanada, aber tatsächlich auch südostasiatische Märkte wie Vietnam, Taiwan, Hongkong und Thailand.“

Du hast da ja eher den Einblick: Kauft eigentlich noch jemand Musik oder wird nur noch gestreamed?

„Laut Statistiken sind Verkäufe allgemein immer noch stark, aber Streaming holt immens auf. Bei uns im Haus ist die Verteilung meist etwa 80 zu 20. Also 80% Einkommen aus Streaming (Spotify, Apple Music, Deezer, YouTube Red in den USA). Leider stirbt SoundCloud so langsam weg, weil man dort den Wandel der Zeit verschlafen hat und jetzt nicht mehr hinterher kommt. Ist ein bisschen wie bei MySpace. Mit SoundCloud haben wir anfangs viel bewerkstelligt. Die Entwicklung wird weiter pro Streaming ausfallen.“

Was bringt die Zukunft für SoULuvMuziq? Auf welche Releases dürfen wir uns demnächst freuen?

„Aktuell arbeiten wir an einer Vielzahl von Releases. Morgen schon (31.03.2017, Anm. von uns) kommt eine neue Single namens „Cyberlove“ von BVRGER, die er wieder selbst eingesungen hat und leichte Nuancen von Mura Masa enthält. Darauf folgt am 7. April ein Release von Mogul mit den New Yorker Sängern Denzel White und Devin Tracy. Wer den Sound von Kaytranada und Pomo feiert, wird das Ding lieben. Danach kommt noch ein Remix von Mogul von einer Sängerin aus L.A. Im Mai kommt dann eine weitere Single von BVRGER und ein Disco-Release von Reggie Got Beats, einem Produzenten aus Norwegen, der bei SoULuvMuziq gesigned ist. MadD3E arbeitet derweil an einer eigenen EP mit verschiedenen Sängerinnen, u. a. der Frankfurterin Deena O. Sehr talentierte Frau. Daneben sind hier noch Releases und Remixe auf anderen Labels geplant. Dann steht der Sommer vor der Tür, und da passiert auch nochmals sehr viel. Ihr seht, bis Oktober haben die Leute auf jeden Fall einiges an SoULuvMuziq-Material für ihre Playlisten parat. Im Spätsommer, gegen September, planen wir dann noch eine Europatour mit DJ-Sets.“

Nice – wir wünschen viel Erfolg und freuen uns auf neue Tunes zu dem mittlerweile auch wieder sonnigem Wetter.

„Danke euch.“


SOULUVMUZIQ
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