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„Not Macht Erfinderisch“ – Arrior & Q-Rush im Interview

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Es ist ein sonniger Tag im März. Arrior, Q-Rush und Yoscha sitzen in der Sonne auf dem Dachcafé vom Kaufhof. Anlass ist das Debüt-Tape „Not Macht Erfinderisch„, welches am 20.01.17 der allgemeinen Zuhörerschaft zur Verfügung gestellt wurde. Höchste Zeit die beiden Frankfurter Newcomer besser kennen zu lernen und den Kollege Johannes “Turtle” Krenzer für ein Shooting einzuspannen! Viel Spaß mit dem Interview.

Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Arrior: „Auf einem Konzert von NaS, das war 2013 in der alten Batschkapp. Wir haben uns über gemeinsame Freunde kennen gelernt. Das war so: „Ey du machst Musik?“, „Ich mach auch Musik.“ Eins hat zum anderen geführt.“

Kommt ihr beide aus Frankfurt?

Arrior: „Ja.“

Dann wars auch schnell möglich zu connecten?

Arrior: „Innerhalb der Stadt wohnen wir schon ziemlich weit auseinander, aber das war jetzt kein Hindernis.“

Ist das ganze Mixtape von Q-Rush produziert?

Q-Rush: „Zum großen Teil. Arrior hat aber auch selbst produziert, er ist auch ein sehr talentierter Produzent. Die Songs sind eigentlich immer in Zusammenarbeit entstanden. Wir sitzen oft zusammen und jammen. Das hört man auch in der Musik.“

Arrior: „Als Rapper will man sich ja manchmal auch einfach auf das Rappen konzentrieren, wenn du weißt, was du für einen Beat haben willst. Manchmal digge ich ein Sample und geb‘ es Q-Rush und dann haut er was raus, aber es gibt auch Momente, wo er mir einfach etwas schickt – und es ist krass. Es hat dem ganzen Tape sehr gut getan, es in dieser Kombo zu produzieren.“

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ARRIOR
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Das Motto “Not Macht Erfinderisch”, hat das konkrete Bezüge zu deinem Leben, oder wie kommst du auf den Titel?

Arrior: „Es gab definitiv Situationen im Leben, in denen man sich durch einen gewissen Einfallsreichtum das ein oder andere ermöglicht hat oder aus bestimmten Situationen rausgekommen ist. (lacht) Grundsätzlich ist es eine positive Message für alle, die sich in einer Lage befinden, die schwierig erscheint, aber ein Ziel haben. Nach dem Motto: “Nimm die Mittel, die du hast, und mach das Beste daraus!“ Das ist auch repräsentativ für die Hip-Hop-Kultur und für den Weg unserer Eltern, die sich in diesem Land etwas aufgebaut haben. Diese Haltung hat mich durchs Leben geschleust und mich motiviert dieses Projekt unter allen Umständen zu Ende zu bringen.“

Beschreibt das Motto Not Macht Erfinderisch auch die Arbeitsweise am Tape? Gab es dabei Situationen, in denen Not am Mann war und ihr erfinderisch werden musstet?

Arrior: „Wir haben im kleinen Rahmen produziert und wollten einen großen Sound, der ballert. Das hat unseren Engineer vor die ein oder andere Aufgabe gestellt. (lacht) Die Mittel waren anfangs beschränkt. Man musste dann viel Überzeugungsarbeit leisten und mit Leuten connecten. Auf dem Weg hat man coole Menschen kennengelernt.“

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Q-RUSH
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Wie war eure Aufnahmesituation? Studio, Wohnzimmer, Keller,…?

Arrior: „Acht Songs haben wir im großen Studio aufgenommen und vier bei mir im Keller. Dort habe ich mit 15 eine Booth gebaut. Gemixt und gemastert wurde alles am Stück von unserem Freund Jan. Dabei haben wir auch viele Stunden zusammengesessen.“

Ich würde deinen Rap wie folgt beschreiben: “Technisch versiert, Straßen Rap, Oldschool-lastig, bißchen Westcoast, Kopfnickerbeat.” Kannst du dich damit identifizieren oder legst du Wert auf mehr Differenzierung?

Arrior: „Das alles bekommt man auf jeden Fall auf NME zu hören, aber ich würde mich nicht darauf festlegen. Auf dem Tape verschmelzen viele unterschiedliche Hip-Hop-Einflüsse, die einen geprägt  haben und in der Zukunft kann man noch viele musikalische Wege beschreiten.“

Was hört ihr für Musik? Das ist wahrscheinlich auch eher oldschoolig geprägt?

Arrior: „Von Jazz bis Trap.“

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Was bedeutet das Tape für dich? Ist es die Suche nach dem eigenen Sound, weil es dein erstes richtiges Projekt ist?

Arrior: „1st Baby.“

Ist das ein Mixtape oder ein Album?

Arrior: „Ich weiss es nicht. Ich nenne es immer Tape.  Es kommt darauf an, womit man es vergleicht. Es war mal als Mixtape geplant, aber es hat mittlerweile alles einen roten Faden mit runden Songs. Ich persönlich habe an ein Album nochmal andere Ansprüche, was Machart und Arrangements angeht.“

Ich sehe dich in der Tradition von Frankfurter Straßenrappern? Siehst du dich dort auch?

Arrior: „Gerne. FFM Represent!“

Hast du einen perfektionistischen Anspruch?

Arrior: „Muss, ya.“

Freust du dich, dass dein Mixtape endlich auskommt? Gab es auch Phasen die belastend waren?

Arrior: „Ich bin sehr froh darüber. Es war keine Option, es nicht zu Ende zu bringen. Dadurch habe ich oft Druck auf mich selbst ausgeübt. Das war manchmal belastend, vor allem, wenn die Dinge nicht so liefen wie geplant. Jetzt kann man sich wieder locker machen und freier musizieren.“

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Wie bist du auf deinen Namen gekommen?

Arrior: „Das ist einfach mein normaler Name, wenn man ihn englisch ausspricht und anders schreibt. Bei Q-Rush ist das ähnlich. Das darf man mit einer Brise Selbstironie betrachten.“

Du sagst du bist ein Refugee. Von wo und warum musstest du fliehen?

Arrior: „Ich bin in Frankfurt geboren und aufgewachsen. Meine Eltern sind gegen Ende des ersten Golfkrieges nach Deutschland gekommen. Kurz danach kam ich zu Welt. Diese Aussage bezieht sich eher auf meine Wurzeln und soll diejenigen repräsentieren und aufbauen, die entweder vor kurzem Fluchterfahrung gesammelt haben oder Kanaks wie mich, die manchmal immer noch so behandelt werden, als wären sie kein richtiger Teil dieser Gesellschaft.“

Du sagst: “Fick was in der Zeitung steht.” Lässt sich daraus eine medienkritische Haltung ableiten?

Arrior: „An einer kritischen Haltung gibt es nichts auszusetzen. Ich finde man sollte sich möglichst viele Informationen aus verschiedenen Quellen holen und darf nie aufhören, alles zu hinterfragen. Wenn man dann noch sowas wie gesunden Menschenverstand hat, kann man versuchen, sich ein Bild zu machen. Jede Berichterstattung erfolgt aus der eigenen Position heraus und ist geprägt von eigenen Interessen. Die Welt ist nicht schwarz-weiß.“

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Wie bist du aufgewachsen in Bezug auf Bildungshintergrund und soziales Umfeld?

Arrior: „Ein Bein in der Schule und eins auf den Frankfurter Straßen.“ (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch!

Arrior: „Danke dir!“


INTERVIEW: YOSCHA
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