FRANKFURT, INTERVIEW, MUSIK

Julez Jadon und SVRN im Interview: „Wir können auch im Wald produzieren!“

Julez-Jadon-SVRN-Beitragsbild

Der Insta Grind zwischen Reise- und Studiophotos der Frankfurter Produzenten Julez Jadon und SVRN lässt erahnen, dass bei ihnen schwer was in der Mache ist. Höchste Zeit, die beiden zu treffen und herauszufinden, wer sie genau sind, was genau sie tun, mit welchem Mindset sie arbeiten und wie sich ihr Business entwickelt hat. Viel Spaß bei der Lektüre!

Die beiden haben durch die Bündelung ihrer Kräfte und die kreative Verbindung ihrer Musik- und Reiseleidenschaft einen Weg gefunden, um sich einen wachsenden und treuen Kundenstamm aufzubauen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, ist es ihnen mittlerweile seit ca. zwei Jahren möglich, sich ihren Lebensunterhalt durch die Tätigkeit, die sie lieben, zu finanzieren.

Der Anspruch ihres örtlichen Bäckers “Ich schmiere jedes Brötchen so, als würde ich es für mich schmieren” spiegelt sich sowohl in der Qualität ihrer Musik, als auch in ihrem Geschäftsgebarden wieder. Durch die Strukturierung ihrer Aussagen ergibt sich aus dem 1. “Who they are”, dem 2. “What they do” und dem 3. “How they do” ein Do-It-Yourself-Leitfaden anhand ihrer Zitate.

Damit ihr die ganzen Informationen in einen Gesamtkontext einordnen könnt, ist am Ende des Artikels 4. “The development” der beiden zu finden. SVRN aka Severin wird im Folgenden als “S” abgekürzt und Julez Jadon als “J”. Scrolled gerne zu den Zwischenüberschriften, die euch am meisten zusagen und lasst mir euer Feedback da.


JULEZ JADON
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1. Who They Are

Born ’n’ Raised:

J: “Ich bin Bornheimer Bub, wohne aber mittlerweile mit der Family in Oberursel. Ich war ein schlechter Schüler, habe mit 8 Klavierspielen angefangen und mit 10 das Schlagzeugspielen. Auch in einer Band, so Rock und Metal Sachen. Mit 14 hatte ich die erste MPC und dann ging das Beat-Machen los. Nach der Schule habe ich meinen Bachelor an der SAE gemacht und dann ging der richtige Hustle los.”

S: “Ich bin in Dreieich aufgewachsen und habe mit Ach und Krach mein Fachabi durchgezogen. Mit zwölf bin ich über die ersten Turntables zur Mucke gekommen, über das Scratchen und DJen. Irgendwann habe ich mit einem Sampler die ersten Beats gebaut, aber alles eher als Hobby. Dann kam das Studium bei der SAE und einige Praktika in Studios. Danach habe ich aber gemerkt, dass ich kein Engineer sein will, dass ich nicht in einem klassischen Studio arbeiten will.”

Hustle:

J: “Ich habe erstmal einen regular Job gehabt, aber ich bin immer schon gerne gereist. Ich wollte immer schon raus und war schon super früh in den Staaten, Florida, Miami und auch viel in Afrika. Ich wollte viel reisen und habe mir dann überlegt, wie bekommst du das Reisen und die Musik unter eine Kappe?”

S: “Ich habe die Zähne zusammen gebissen, 5 Jahre im Verkauf gearbeitet und jede freie Minute ins Produzieren investiert. Julez habe ich an der SAE in Berlin kennen gelernt und wir haben, auch bevor wir Business Partner geworden sind, immer wieder die Köpfe zusammengesteckt.”

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2. What They Do

Approach:

J: “Wir haben uns eine andere Herangehensweise für die Produktion der Drum Kits überlegt. Wir gehen raus, recorden und kombinieren, so dass wir einzigartige und qualitativ hochwertige neue Sounds erschaffen. Es ist eine Mischung aus Field Recording, Sound Design und dem Travel Aspekt.”

Setup:

J: “Travis Scott sagt: “Making money moves off the laptop”. Wir können heute alles auf dem Laptop machen. Unsere Setups sind klein gehalten, du brachst kein großes Studio mehr. Wir haben Headphones, Laptop und Festplatte, so dass wir echt überall produzieren können, auch im Wald.”

Customers:

S: “Wir machen Sounds, die wir selber benutzen würden, und nicht einfach nur schnell, schnell, um etwas zu bedienen. Deswegen bekommen wir gutes Feedback von den Leuten, weil die merken, dass das brauchbarer Shit ist. Es gibt Leute, die wirklich sagen: “Ihr habt mich als Customer for life. Wenn ihr ein neues Kit raushaut, dann kaufe ich es mir direkt.”

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3. How They Do

Flow:

J: “Die Sounds entstehen beim Beatbauen, dann schraubst du an den Sounds. Man setzt sich auch mal hin und baut nur Kicks, aber das ist vielleicht 20% der Zeit. Wir produzieren mehr aus dem Beatbauen heraus und diese Beats nehmen wir dann als Demos.”

Magic:

S: “In L.A. ist es das Beste, wenn wir vor Ort mit den ganzen Songwitern, Executives und Produzenten sind. Das ist eine gewisse Magie, die da manchmal entsteht. Man kommuniziert gar nicht mehr mit Worten, sondern nur noch mit Blicken und “Uhhh” und “Ahhhh”. Man hat manchmal die gleichen Gedanken, ohne dass man es ausspricht.”

Passion:

J: “Wir machen das Ganze mit Leidenschaft, ganz oder gar nicht und somit stecken wir 100% Liebe in all unsere Projekte – das ist unsere Mentality.”

Big Thinking:

S: “’HipHop saved my life‘, das ist der Slogan. Ich habe da letztens drüber nachgedacht – und es ist wahr. Dieses große Denken und, dass man mehr als nur das Kleinbürgerleben haben kann, das habe ich vom HipHop. Diese Mentalität ist in Deutschland ja nicht groß vertreten. Man sieht, dass man mit etwas, was man gerne macht, etwas reißen kann. HipHop lebt dir das vor.”


SVRN
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International Thinking:

J: ”Wir haben unser Ding durchgezogen und uns international orientiert. Gott sei dank, denn das hat uns im Endeffekt viel mehr Möglichkeiten gegeben. Wenn du mit Musik zum Beispiel so viele Menschen erreichen kannst, warum soll ich nur die Deutschen ansprechen?”

Stay Hustling, Keep Humble:

J: “Wenn du los rennst in eine Richtung, ohne zu viel drüber nachzudenken und dabei bleibst, dann zahlt sich das aus. Dieses Mindset darf sich nicht verändern. Wir sagen immer: Stay Husteling. Keep Humble. Auf dem Boden bleiben und einfach machen.”

Trial and Error:

S: “Wir haben auch in ganz viele verschiedene Richtungen geschossen und dabei gemerkt, was uns besonders Bock macht und was uns weniger Bock macht. Wir haben Signale und Impulse rausgeschickt, um zu sehen, was kommt zurück. Man muss sehr viel ausprobieren.”

Communication:

S: “Ich versuche auf jede Anfrage zu antworten, die jetzt nicht zu plump ist. Wir werden oft angeschrieben und gefragt, wie wir dies und das produziert haben. Das ist ein großer bereichernder Austausch und ich versuche die Attitude, die mir früher entgegengebracht wurde, nicht zu leben.”

Focus:

J: “Manche verschwenden ihre Zeit damit, der Kritiker zu sein, anstatt sich auf die Sachen zu fokussieren, die geil sind.”

The First:

J: “Wenn Leute an Cola denken, denken sie an Coca-Cola und nicht an Pepsi. Du musst der Erste sein, der es macht und gehört wird.”

Independence:

J: “Ich würde heutzutage jedem Artist, Rapper, Produzenten raten – bleibt independent. Du kannst so schnell handeln und auf Tends reagieren, so abgedroschen es auch klingt.”

Organisation:

J: “Das steht dann aber auf unserem Weekly Scedule mit Facebook Live, das muss man schon attackieren. Instagram Live oder Snapchat, das sind Sachen, die werden einem hingelegt und die muss man für sich nutzen. Wir haben einen dritten Business Partner, der kümmert sich alleine nur ums Marketing, was Ad Schaltungen und was Facebook Ads anbelangt.”

Inspiration:

S: “Es gibt so viel liebloses Zeug und wir legen zum Beispiel auch viel Wert auf das Artwork. Wir holen uns Inspiration von Amsterdamer Modelabels, wie Filling Pieces oder Daily Paper, aber ohne zu biten. Man kann viel aus andern Genres übertragen und für sich nutzen. Das hat uns die Inspiration gegeben, unser Clothing Ding weiter zu treiben.”

 Julez-Jadon-Drums

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4. The Development

Waste:

S: “Die Zeitverschwendung und der Auswurf war eher vorher mit dem Internet Hustle. Dann schickst du viel Zeug hin und her und im Endeffekt war es viel Bla Bla um nix. Der Internet Beat Hustle hat schon frustriert, aber es sind auch Connections dadurch entstanden. Ich will es nicht verteufeln. Da war aber euch viel Frustration dabei.”

J: “Wir erleben mittlerweile keine Berührungsängste mehr. Es geht schnell zum Eingemachten. Wir haben auch wenig Auswurf, weil man sich die Leute ja vorsortiert und aussucht. Je weiter man kommt, desto weniger Ausschuss gibt es. Wenn dann beide Parteien zusammen ins Studio gehen, kennt man sich ja schon und dann wissen auch beide was Sache ist.”

Exchange:

J: “Als wir angefangen hatten hatte ich mehr das Gefühl, dass die Leute gesagt haben: ‚Ne, ne, wir machen das unter uns.‘ Und da habe ich mir gesagt: ‚Da habe ich kein Bock drauf, da geh ich gleich overseas.‘ Das versuchen wir komplett anders zu machen.”

How It Feels:

J: “Gefühlt sind wir immer noch auf Level 1, aber alles hat sich so wahnsinnig schnell entwickelt. Gefühlt fahre ich immer noch den kleinen Opel Corsa und hol den Severin ab und wir sitzen in der Dachgeschosswohnung und basteln Beats. Wir haben zwei Jahre ins Blaue gearbeitet. Wir haben nicht direkt gesehen, was bei rauskommt.”

Julez-Jadon-SVRN-Junkyard1

Relationships:

S: “Man kann zwar viel per Mail kommunizieren, aber du baust erst eine richtige Relationship auf, wenn du mit den Leuten im Studio bist. Du kannst zuhause deine Arrangements machen, aber wenn du im Studio bist, dann lernt man auch nochmal mehr über Songs oder das Arrangement komplett umzuschmeißen. Das ergibt sich in einer Studiosession mit mehreren Köpfen.”

Get a Team:

S: “Wir waren auch beide ein bisschen lost und hatten unsere Schwierigkeiten, uns zu etablieren und dann, als wir uns zusammen getan haben, hat es richtig Sinn gemacht, weil wir die doppelte Power hatten. Dieses Ein-Mann-Armee-Ding, das funktioniert nicht so gut. Es ist immer wichtig, dass man ein Team hat, auf das man sich verlassen kann. Der Teamgedanke ist wichtig, dieses Crewdenken.”

Get a Mentor:

J: “In der HipHop Szene haben wir lange kein Feedback bekommen. Ich hatte 2006 Kontakt zu einem Independent Label aus Miami. Da habe ich meine ersten Beats nach MIA verkauft. Der Inhaber hat mich unter seine Fittiche genommen. Im Sinne, wie man ein Business aufbaut, war der voll mein Mentor. Er hat mir auch meinen Namen gegeben. SVRN hatte Mentoren aus der Drum and Bass Ecke.”

SVRN-Julez-Jadon

The new Sound:

J: “Der neue Sound ist eine neue Motivation. Wir haben mit einem ganz anderen angefangen, weil wir schon über zehn Jahre Musik machen, aber irgendwann waren diese Boom Bap Beats und Tempi halt ausgelutscht. Ich glaube, wir haben diese Entwicklung früh gecheckt. Wir haben hier in Deutschland von Rappern gehört: ‚Geil, aber noch zu Future.’”

Information:

J: “Wir befinden uns zwischen den Generationen, zwischen den Zeiten. Als wir aufgewachsen sind, da war das Internet noch keine Selbstverständlichkeit. Es gibt so viele Informationsquellen, die du anzapfen kannst. Aber siehst du es als Tool und bist ein Produzent oder nur ein Konsument? Es ist so einfach, Content zu kreieren.”

Create a Bubble:

“Man hat ja auch selbst in der Hand, wem man folgt und was für Inhalte man sich gibt. Man kreiert sich seinen eigenen Bubble. Man merkt das auch an den Kids. Die Tochter von einem Kumpel die kennt das gar nicht mehr: “Oh, jetzt um 18:00 Uhr kommt das Sandmännchen,” sondern das wird geguckt, wenn man’s guckt.”

Ich hoffe euch hat das Interview gefallen! Wenn ihr Bock habt zu connecten dann gerne über folgende Channel: Facebook/Instagram/YouTube/SoundCloud/tumblr. Ich freue mich über Feedback.

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