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„Mit mehr Geld wären wir noch viel besser!“ – Interview mit Goldroger und Dienst&Schulter

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Am 8. November spielte Goldroger gemeinsam mit seinen Produzenten Dienst&Schulter im beschaulichen Ponyhof in Sachsenhausen. Der erste Live-Auftritt in Frankfurt nach dem „Avrakadavra“-Release. Unsere Autorin Viola traf die drei sympathischen Jungs vor der Show um über das Tourleben und ihre musikalische Arbeit zu quatschen.

Im Ponyhof ist es voll. Goldroger steht an diesem Mittwochabend auf der Bühne. Die Stimmung ist ausgelassen. Die Gitarrentöne verzaubern das Publikum. Der Beat wummert gut abgemischt – alle tanzen. Ein ungewöhnlicher Anblick für die deutsche Rap-Szene: Szenecodes, Kopfnicker und der HipHop-Arm  – Fehlanzeige. Dafür buntes Publikum und eine super Live-Show. Im Backstage zuvor sitze ich mit Goldroger und Moritz und Hendrik von Dienst&Schulter im Interview.

Hier in Frankfurt eröffnet ihr euren zweiten Teil der Tour, was waren denn die Highlights des ersten Teils?

Hendrick: Köln!

Goldroger: Ja!

Hendrick: Um ehrlich zu sein, die richtigen „magic-moments“ waren die November Dates. Es war das erste Mal, dass wir unsere Musik live gespielt haben. Es waren drei sehr geile Konzerte in Köln, Berlin und Stuttgart. Sie waren alle drei super besucht und das erste Feedback auf das Album. Das war eigentlich schon das Beste. Ab dann ist es viel Routine. Wenn man seine Songs das 125. Mal spielt, ist das halt nicht mehr so krass.

Goldroger: Eigentlich richtig krass abgezockt. Das ist dann schon der dritte Teil unserer „Avrakadavra“ Tour (lacht). Wir verkaufen zu wenig Alben, deshalb müssen wir die ganze Zeit touren (alle lachen).

Wie sieht euer Touralltag aus?

Moritz: Wir fahren selber mit der Karre rum. Fahren von Stadt zu Stadt. Packen alles aus, bauen auf. Das ist schon viel Arbeit. Abends hat man dann so eins, zwei Stunden, die wir jetzt mit dir verbringen. Versuchen was zu essen und dann spielen wir auf der Bühne.

Was macht ihr, wenn ihr sie nicht mit mir verbringt?

Goldroger: Dann trinken wir Vodka.

Ändert das viele Touren euren musikalischen Output?

Goldroger: Ja voll.

Moritz: Ich glaube, wir haben ein besseres Gefühl, was wir jetzt für Musik machen wollen. Worauf wir Lust haben, was wir live spielen wollen. Man bekommt ein gutes Gefühl für Auftritte und was live funktioniert.

Was funktioniert live?

Moritz: Das ist sehr abhänig.

Goldroger: Viel Gitarre! Das funktioniert immer gut!

Moritz: Stimmt. Ich muss viel dudeln. Wir wollens ja nicht poppig machen, aber man muss schon mit dem Publikum interagieren.

Hendrik: Das ist ja auch eine Sichtweise, die man gar nicht hat – wenn man vorher nicht viel live gepielt hat. Da sitzt man halt im Studio und macht seine Musik für sich alleine. Das ist auch cool. Aber die Komponente, dass Leute deine Songs hören und darauf reagieren, bringt einen dazu nocheinmal ganz anders darüber nachzudenken. Das ändert schon etwas im Schaffensprozess. Man passt nicht alles daran an, aber es ist einfach eine weitere Komponente, die man mit einbezieht.

Goldrogerfoto

Hat Dienst&Schulter ein anderes Soundbild, wenn ihr für andere Künstler produziert?

Hendrik: Naja, wir produzieren ja kaum für andere (lacht).

Goldroger: Ich erlaub das denen nicht!

Moritz: Momentan geben wir ja Vollgas Richtung Goldroger. Das ist das, wo wir am meisten Bock drauf haben. Wir schicken auch schon mal Beats an andere, wie man das so macht im HipHop. Aber mehr reizt uns eigentlich zusammen in einem Raum an einem Album zu kochen. Das ist für uns reizvoller.

Vergleicht ihr euch dann auf der musikalischen Ebene?

Hendrik: Selbst wenn man Musik hört, ist das nicht mehr wie früher, dass man einfach stumpf Musik hört. Das gibts zwar auch, aber meistens hört man analytisch hin und fragt sich, was hat der Künstler da gemacht, was ist das? Ist das Cool oder ist das nicht cool? Man bewertet die ganze Zeit und ist nicht mehr so frei, wie man das mal war.

Goldroger: Außer bei Jazz.

Hendrik: Ja außer es ist Musik, die super abstrakt ist. Wo man keine Paralleln zum eigenen Produzieren sieht. Das ist das gleiche wie bei Konzerten, bei Artworks bei allem zieht man eine Parallele. Man speichert Sachen, die man cool findet ab, um vielleicht irgendwann später mal auf so eine Idee zurückgreifen zu können – in einem eigenen Kontext, es besser umsetzen zu können, aber ja…


GOLDROGER
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Guckt ihr euch oft Konzerte von anderen Rappern an?

Goldroger: Nicht nur andere Rapper, wir gucken uns generell gerne Konzerte an. Ich bin aber auf ewig verstört. Ich kann nicht mehr einfach auf ein Konzert gehen und ein coolen Abend haben. Ich guck mir das immer analytisch an, wie ein Footballcoach, der an der Seitenlinie steht. Meistens ist das super frustrierend, wenn ich einen anderen Rapper sehe und der hat eine mega geile Show, dann denk ich mir so: „Ahh, ich will auch so ne geile Show haben.“

Gibt es so viele Rapper, die gerade so gute Shows haben?

Goldroger: Die haben dann gutes Licht.

Hendrik: Wir haben in letzer Zeit auch nicht so viele Deutschrapshows gesehen.

Goldroger: Doch, Cro!

Hendrik: Ja okay, Cro war krass.

Goldroger: Der hat sogar ne Hebebühne und da sind auch noch Scheinwerfer drunter, die sich auch noch drehen können! Da denk ich dann: Scheiße, dass kostet ja ein Vermögen, aber ist schon cool. Da hör ich gar nicht auf die Musik (lacht). Ich guck nur noch was die Leute machen, das hat mir den Spaß echt ein bisschen genommen.

Was war das beste Konzert im letzten Jahr?

Hendrik: Das schlechteste war Gorillaz.

Goldroger: Ja, definitiv. Das schlechteste war Gorillaz. Oh mein Gott, das war so traurig. Da war die Fallhöhe aber auch krass, weil man so mega viel erwartet, wenn man auf so ein Gorillaz-Konzert geht. Das war echt richtig scheiße.

Moritz: Ich weiß nicht, wann Anderson Paak war, aber das war geil.

Hendrik: Anderson Paak war 2016.

Goldroger: Ja, das war geil.

Hendrik: Das war ein richtig krasses Konzert.

Moritz: Für mich war es, glaub ich, Thundercat dieses Jahr.

Goldroger: Bei mir war es Tame Impala. Wir haben aber auch super viele Konzerte verpasst, weil wir selber welche gespielt haben. Super nervig!

Hendrik: Ich fand auch einfach so vom Feeling her das Moderat Konzert ziemlich geil. Wir haben auf dem Pulsopenair gespielt, waren  alle relativ betrunken und haben das dann gesehen.

Könnt ihr euch in den Vergleich mit anderen Rappern setzen?

Hendrick: Das kann man schlecht vergleichen, weil wir in kleineren Venues spielen und eine viel kleinere Produktion haben. Wenn wir das Budget hätten, was andere für ne Rapshow haben, dann würden wir es bessere machen. Das ist natürlich jetzt auch einfach zu sagen, wenn man selbst noch nie so eine riesige Produktion gemacht hat.

Goldroger: Mit mehr Geld wären wir noch viel besser. Ich glaube das ist die Quitessenz.

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